8. Mai: Premier Di Rupo besucht Auschwitz

Belgiens Premierminister Elio Di Rupo (PS) besuchte am Dienstag gemeinsam mit 1.000 Jugendlichen aus ganz Europa das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. An diesem 8. Mai, dem Gedenktag an die Befreiung vom Nazi-Regime 1945, fand dort eine Gedenkfeier statt.

Die europäischen Jugendlichen hatten sich bereits am vergangenen Samstag auf den Weg nach Auschwitz gemacht. Sie fuhren mit einem Sonderzug aus Brüssel, dem "Zug der Tausend“, dorthin.

Die Initiative zu diesem Zug nach Auschwitz aus Richtung Brüssel ging von mehreren nationalen und internationalen Vereinigungen aus. Daran beteiligt waren das Nationale Veteranen-Institut aus Belgien, der Internationale Widerstandsverband und die Auschwitz-Stiftung.

Im März hat unser Land für die Dauer eines Jahres den Vorsitz der "Internationalen Taskforce zur Erinnerung an den Holocaust“ übernommen. Diese Taskforce soll die Erinnerung an die Gräueltaten, die das deutsche Nazi-Regime von Mitte der 1930er Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 begangen hatte, wachhalten. Nicht zuletzt aus diesem Grund begab sich Belgiens Premierminister Elio Di Rupo an diesem symbolischen Tag nach Auschwitz.

"Wir brauchen die Erinnerung!"

In seiner Ansprache in Auschwitz sagte Premierminister Di Rupo, dass die Erinnerung an die Geschehnisse von damals wichtig seien und verwies dabei auf die deutsche Geschichte Mitte der 1930er Jahre, als dort die wirtschaftliche Krise zugeschlagen hatte: "In einem Land, in dem Kultur eine wichtige Rolle spielte, begann die Firnis der Zivilisation zu bröckeln. Man suchte Sündenböcke. Je höher die Arbeitslosigkeit, desto höher der Grad der Unterschiede.“

Heute sei man gegen solche Entwicklungen gewappnet, doch auch während der neuen Krise nehme das Misstrauen gegenüber schwächeren Bevölkerungsgruppen zu und zudem würde der Antisemitismus wieder zunehmen: "Warum bekämpfen wir uns weiter, während wir uns eigentlich die Hand reichen sollten?“

Der belgische Premierminister, Sohn italienischer Einwanderer und homosexuell, stellte die Frage, warum sich heute wieder Menschen aus Angst vor Repressionen wegen ihrer Neigungen, ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe verstecken müssen wobei er sich an die aus Brüssel mitgereisten Jugendlichen aus ganz Europa wendete: "Die Jugend liegt oft an der Basis von Veränderung hin zu einer besseren Zukunft. Ich hoffe, dass ihr mehr Gefühl für Gerechtigkeit aufbringt, dass ihr Unrecht anklagt und dass ihr euch immer und überall gegen Extremismus einsetzen werdet!“

Di Rupo wurde bei seinem Auschwitz-Besuch von Baron Paul Halter begleitet, einem Überlebenden der Deportation während des Dritten Reiches. Halter ist heute Vorsitzender der belgischen Auschwitz-Stiftung. Er will die Erinnerung an den Holocaust hochhalten, "damit so etwas nie wieder geschieht.“