Wahlpflicht für 1,3 Mio. Einwanderer

Wenn am 14. Oktober 2012 in Belgien die Kommunalwahlen stattfinden, sind auch die Einwanderer mit belgischer Staatsangehörigkeit dazu verpflichtet, ihre Stimme abzugeben. Davon sind 1,3 Millionen Menschen betroffen, wie der Soziologe Jan Hertogen errechnete.

Von den rund 1,3 Millionen Einwohnern ausländischer Herkunft – EU-Bürger und auch Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten – sind etwa 1,1 Millionen Menschen, die die belgische Staatsangehörigkeit erlangt haben. Von denen, die ihre ursprüngliche Nationalität behalten haben, werden sich nach Schätzungen des Soziologen Jan Hertogen (kleines Foto) etwa 200.000 in die Wahllisten eintragen, denn dies ist bei Kommunalwahlen in Belgien möglich. Einmal eingeschrieben, unterstehen sie der Wahlpflicht in unserem Lande und müssen ihre Stimme abgeben.

Diese 1,3 Millionen wahlpflichtigen Einwanderer entsprechen rund 16,7 % der belgischen Gesamtbevölkerung. Das ist ungefähr das Doppelte des Wertes des Jahres 2000, als rund 8,7 % der Einwanderer dazu aufgerufen waren, zur Wahlurne zu gehen. 2006 waren dies schon 12,7 % der belgischen Bevölkerung. Soziologe Jan Hertogen geht davon aus, dass 2018, bei den nächsten Kommunalwahlen, rund ein Fünftel der Wahlpflichtigen Einwanderer sein werden.

Regional gesehen, sind diese Zahlen und Werte sehr unterschiedlich. In der Provinz Westflandern zum Beispiel sind knapp 3,8 % der Wahlpflichtigen ausländischer Herkunft. Dies steht im krassen Kontrast zur belgischen Hauptstadt Brüssel, ein multikultureller Schmelztiegel auch durch die EU-Expats und die vielen Einwanderer aus früheren belgischen Kolonien, aus Nordafrika und dem Balkan; Hier sind 62,3 % der Wahlpflichtigen Einwanderer.