Di Rupo: "Wir sollten uns zurückhalten"

Belgiens Premierminister Elio Di Rupo (PS) sieht auf europäischer Ebene auch nach dem Sieg seines französischen Parteifreundes François Hollande bei den dortigen Präsidentschaftswahlen kaum Grund zur Freude. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung stellte er fest, dass sich die Euro-Gemeinschaft in einer "sehr ernsten Krise" befindet.

Di Rupo hofft, dass nach ihm und nach François Hollande weitere sozialistische Regierungschefs in der Europäischen Union gewählt werden, denn, so der 60jährige gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Die Bürger wollen Regierungen haben, die ihre Probleme lösen. Sie wollen ein Europa, das ihnen nützt. Aber, was wir sehen ist, dass überall anti-europäische Stimmungen entstehen, dass die Zuversicht in Europa sinkt. Das ist gefährlich, weil es den Extremisten in die Hände spielt. Sehen Sie nur nach Griechenland…“. Und doch müsse man unabhängig von der Parteifarbe zusammenarbeiten.

Auf die Frage der SZ-Redaktion, ob Di Rupo denn nach eigener Erfahrung mit langer Koalitionsbildung nach drei gescheiterten Anläufen in Athen mal anrufen würde, reagierte dieser mit kluger Vorsicht: "Ich habe nicht die Absicht. Griechenland ist ein unabhängiges Land. Die Parteien müssen alleine eine Regierung bilden. Wir Europäer sollten uns zurückhalten mit Ratschlägen, stattdessen klug handeln. Wir haben gedacht, dass Griechenland mit unserer Hilfe und unter einer Übergangsregierung auf einem guten Weg aus der Krise war, und nun haben die Bürger das alles abgewählt. Die Situation ist sehr ernst, für die gesamte Euro-Zone.“

Elio Di Rupo rät dazu, den Griechen mit ihrer Regierungsbildung Zeit zu lassen. In Deutschland verhandele man mit zwei Parteien, um eine Regierung zu bilden und er hatte in Belgien sechs Parteien als Verhandlungspartner. In Griechenland seien es mindestens drei Parteien: "Das dauert.“ Wenn Griechenland den Euro verlasse, sei dies eine große Blamage für die gesamte EU und wer darüber leicht rede, der mache Fehler, so der belgische Sozialist.

Zudem hätte Europa lange Zeit in Griechenland gute Geschäfte gemacht und viel Geld verdient. Heute würden die gleichen Leute, dass die Euro-Zone an der griechischen Grenze zu Ende sei: "Wir müssen eine Entscheidung treffen, die nicht dramatisch für Griechenland und nicht dramatisch für Europa ist.“

Änderungen

Für die nahe Zukunft erwartet Belgiens Regierungschef, dass sich mit François Hollande in Europa einiges ändern werde und zur Lösung vieler Probleme rät er dazu, Euro-Bons einzuführen: "Europa ist leistungsfähig genug, um eigene Anleihen und damit Wachstum zu stimulieren. Wir müssen kreativ denken und uns alle Türen aufhalten. (…) Es ist vor allem eine Frage des Wollens.“

Das vollständige Gespräch von Premier Di Rupo mit der Süddeutschen Zeitung finden sie in der Montagsausgabe des Blattes auf Seite 7.