"2060 ist 60 % der Belgier eingewandert"

Nach einer Studie des belgischen Denktanks Itinera hat bereits jetzt jeder vierte Einwohner in Belgien mindestens einen Elternteil mit Migrationshintergrund. Bis 2060 könnte der Bevölkerungsanteil mit Wurzeln im Ausland in Belgien bis zu 60 % betragen.

Wissenschaftler Laurent Hanseeuw, der die Einwanderungsstudie des unabhängigen belgischen Denktanks Itinera anfertigte, plädiert vor dem Hintergrund dieser vorausschauenden Entwicklung für eine breiter angelegte Integrations- und Immigrationspolitik. In den vergangenen 10 Jahren sind etwa 500.000 Menschen aus dem Ausland in Belgien eingewandert, um hier zu leben. Das entspricht knapp 4,5 % der belgischen Bevölkerung.

"Insgesamt sind 10 % der Bevölkerung ausländischer Herkunft, 7,5 % haben die belgische Staatsangehörigkeit. Weitere 7,5 % sind Einwanderer der 2. oder 3. Generation“, sagt Hanseeuw dazu.

Das bedeute nicht, so der Wissenschaftler weiter, dass diese 25 % keine Belgier sind, doch es sei interessant zu zeigen, dass dieser Bevölkerungsanteil weitaus größer ist, als noch vor 50 Jahren und, dass dieser Bevölkerungsanteil weiter wachse.

Laut der offiziellen Zahlen sind derzeit in unserem Land lediglich 3 % der Bevölkerung als Ausländer registriert, doch nach Ansicht von Itinera werden sehr viele Menschen aus den Statistiken gestrichen, was zu einer systematischen Unterschätzung führt. "Unser Land ist eine echte Einwanderernation geworden. Bis 2060 wird 60 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben", sagt Laurent Hanseeuw: "Doch darauf ist die Politik nicht vorbereitet.“

Der Wissenschaftler bemängelt, dass sich die Immigrationspolitik zu sehr auf die Neuankömmlinge konzentriert. Das führt zu einer Einbürgerungspolitik, die am Ziel vorbeischrammt: "Wenn man die Zahlen betrachtet, dann muss eine eher horizontale Politik gewählt werden, die fast alle Belgier erreicht, anstelle einer kleinen Gruppe, die man jetzt anvisiert.“ Es sei wichtig, so Laurent Hanseeuw, einen breiten Konsens zu suchen, über den wir in unserem Land zusammenleben könnten.