"EU hat Notfallplan, mehr sage ich nicht"

"Die Europäische Union und die Europäische Zentralbank (EZB) arbeiten an einem Notfallplan, damit bei einem Scheitern Griechenlands ein Dominoeffekt vermieden wird." Das sagt der EU-Kommissar für Handel Karel De Gucht (Open VLD) in der flämischen Zeitung De Standaard.

"Das Endspiel hat begonnen und wie es ausgehen wird, weiß ich nicht", sagt der ehemalige belgische Außenminister. "Die Frage ist, ob es allen gelingt, einen kühlen Kopf zu bewahren." Die Griechen müssen nach dem Scheitern der Bildung einer neuen Regierung erneut am 17. Juni wählen gehen.

"Griechenland muss die Sparpläne, die die EU dem Land auferlegt hat, umsetzen. Das ist die einzig vernünftige Option", so De Gucht in De Standaard. In den Umfragen schneiden jedoch die Parteien, die sich den Sparmaßnahmen und den Strukturreformen verweigern, besonders gut ab. "Die griechische Bevölkerung lehnt nicht nur die Sparpläne ab, sondern auch die Parteien, die das Land 40 Jahre lang regiert haben. Die Menschen sind verzweifelt.."

De Gucht denkt jedoch, dass Griechenland in der Währungsunion bleiben werde. "Man kann auch ein Referendum über einen möglichen Euro-Austritt organisieren und dann könnten sich die Griechen völlig anders entscheiden."

Falls Griechenland tatsächlich aus der Eurozone trete, bedeute das aber noch lange nicht das Ende des Euro, so De Gucht auch noch. "Die Idee, dass Europa zusammenbricht, falls Griechenland scheitert, ist falsch. Aber Griechenland bricht zusammen, das ist klar", warnt De Gucht.

De Gucht zufolge sei die Gefahr einer Ansteckung auf andere Schuldenstaaten in der Eurozone nicht mehr groß. "Vor eineinhalb Jahren mag die Gefahr eines Dominoeffekts bestanden haben, aber heute arbeiten die EZB und die EU-Kommission an einem Notfallplan für den Fall, dass es Griechenland nicht schafft. Mehr kann ich hierzu jedoch nicht sagen."

Laut der Nachrichtenagentur dpa habe damit erstmals ein Mitglied der EU-Kommission öffentlich eingeräumt, dass es Notfallpläne für den Fall eines griechischen Euro-Austritts gebe.