"Griechische Schulden langfristig abschwächen"

Wenn Europa will, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, wie das unter anderem auf dem G8-Gipfel gesagt wurde, werde Europa langfristig auch die griechischen Schulden neu bewerten und wenn nötig abschwächen müssen. Das sagte der Alt-Premier Leterme in der VRT-Polittalksendung "De Zevende Dag".

Gleichzeitig müssten laut Leterme aber auch weitergehende Maßnahmen genommen werden, um die Wirtschaft in Griechenland und im restlichen Europa wieder anzukurbeln.

Der ehemalige belgische Premierminister Leterme ist derzeit der stellvertretende Generalsekretär der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). In dieser Funktion beobachtet er unter anderem die Vorgänge in Griechenland.

"Die OECD nimmt an mehreren Arbeitsgruppen in Griechenland teil", so Leterme. "Was wir festgestellt haben ist, dass mehrere mit uns getroffene Vereinbarungen derzeit nur schwer vor Ort umsetzbar sind."

Bleibt Griechenland in der Eurozone, sei eine Abschwächung der griechischen Schulden langfristig unvermeidbar, so Leterme. Gleichzeitig müssten jedoch Maßnahmen genommen werden, die das Wirtschaftswachstum in Griechenland erneut ankurbelten.

"Wer A sagt, muss auch B sagen. Falls Griechenland in der Eurozone bleibt, bedeutet das, die Schulden und Staatsausgaben gut im Auge zu behalten und notfalls neue Maßnahmen zu ergreifen, aber gleichzeitig auch Strukturreformen in Griechenland und präventiv auch in anderen Ländern durchzuführen, so dass Europas Wirtschaft weltweit wieder wettbewerbsfähig wird."

Ein vollständiger Schuldenerlass für Griechenland, wie das der belgische Ökonom Professor Paul De Grauwe am Samstag vorschlug, hält Leterme für keine gute Idee.

"Man muss sich vor dem 'moralischen Zufall' hüten, das heißt man muss vermeiden, dass ein Land, dass seinen Haushaltverpflichtungen nicht nachkommt, langfristig doch nicht hierfür bestraft wird."

"Man muss auch weiterhin gewisse Sanktionen aufrecht erhalten. Die Eurozone muss über die budgetären Zustände wachen", so Leterme noch.