Frankreichs Millionäre flüchten nach Belgien

Nach dem Wahlsieg von Francois Hollande erwägt eine Reihe reicher Franzosen, das Land zu verlassen und nach Belgien zu ziehen. Vergangene Woche hätten bereits dreißig beunruhigte Bürger aus Paris angerufen und sich über einen Umzug nach Belgien informiert, betont der Anwalt und Steuerberater Manoël Dekeyser in der flämischen Zeitung Het Nieuwsblad am Sonntag.

So kurz nach den Wahlen von Hollande erhielt das Steuerberatungsbüro Dekeyser & Associés schon rund dreißig Anrufe von beunruhigten superreichen Franzosen, die wissen wollen, wie sie ihr Geld am besten in belgischen Banken anlegen können.

Obwohl es unter dem vorigen Präsidenten Nicolas Sarkozy auch schon einschneidende Sparmaßnahmen gegeben habe, die die Menschen aus dem Land vertrieben hätten, scheine sich die Situation mit dem Sozialsiten Hollande für die Reichen noch zu verschlimmern. "Denn 30 Anrufe mit der Bitte um Beratung ist auffallend viel", betont Dekeyser. "Insbesondere, wenn man weiß, dass hierzulande nur etwa 4.000 französische Millionäre aus Steuergründen wohnen. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren noch maximal 1.000 bis 1.500 hinzu kommen."

Immobilienfachleute haben auch schon ein steigendes Interesse aus Frankreich für Luxushäuser in Brüssel festgestellt. Es herrscht große Unsicherheit über die Steuerpolitik von Hollande. In der Wahlkampagne hatte er eine Steuer von 75 Prozent für Einkommen von über 1 Millionen Euro im Jahr angekündigt. Die Steuer für Superreiche gibt es noch nicht, aber schon jetzt könnten reiche Franzosen laut Dekeyser vom belgischen Steuersystem profitieren. 

Der Chef der französischen Supermarktkette Auchan, Gérard Mulliez, wohnt bereits in Belgien. Andere reiche Franzosen wie Alain Prost, Alain Delon und Charles Aznavour weichen in die Schweiz aus.