Atomkraft: Was sind die Stresstests wert?

Greenpeace hält nichts vom Abschlussbericht zu den europäischen Stresstests über die Kernkraftwerke. Diese Tests seien "beschränkt und nicht unabhängig" gewesen und so bleibt Greenpeace bei der Forderung, Belgiens älteste Meiler bis 2015 abzuschalten.
Der Schaltraum des Atomkraftwerks von Tihange

Die Stresstests der Kernkraftwerke in der Europäischen Union sollten nach dem Drama im japanischen Fukushima überprüfen, ob die Meiler in allen Bereichen sicher sind. Sind die Atomkraftwerke sicher, zum Beispiel bei Terroranschlägen oder bei Naturkatastrophen? Halten sie einem Flugzeugabsturz stand? Dies alles sollte über die Stresstests festgestellt werden.

Im Juni wird die Europäische Kommission ihren Abschlussbericht dem EU-Ministerrat vorlegen. Inzwischen haben die Umweltschützer von Greenpeace den Bericht selber und die Umstände, in denen die Stresstests durchgeführt wurden, von zwei unabhängigen Fachleuten unter die Lupe nehmen lassen. Scharfe Kritik wird zum Beispiel bei der Überprüfung der belgischen Atomkraftwerke in Tihange (Provinz Lüttich) und Doel (bei Antwerpen - kleines Foto) laut.

So haben die Betreiber der beiden belgischen Kraftwerksanlagen die Stresstests quasi selbst durchgeführt und deshalb sind die Ergebnisse wohl auch alles andere, als selbstkritisch, bemerkt Greenpeace. Eloi Glorieux, der Energiespezialist von Greenpeace in Belgien, fordert denn auch eine unabhängige und alles umfassende Wiederholung der Stresstests für Tihange und Doel: "Der Abschlussbericht für Belgien ist unglaubwürdig, nicht transparent, nicht unabhängig und viel zu beschränkt ausgeführt.“

Er ist der Ansicht, dass zwei der vier Reaktoren in Doel und einer der Reaktoren von Tihange stark veraltet seien und ihre anvisierte Lebensdauer von 30 Jahren längst überdauert haben. Diese müssten 2015 abgeschaltet werden, wie die Regierung Verhofstadt vor einigen Jahren beschlossen hat. In Deutschland, so Glorieux, seien nach Fukushima Reaktoren abgeschaltet worden, die wesentlich jünger gewesen seien, als die alten Meiler in Doel und Tihange.