Manifesta 9: Kunst und Kultur in der Zeche

Die europäische Biennale "Manifesta 9" für zeitgenössische Kunst beginnt am Samstag, den 2. Juni in der Provinz Limburg in Waterschei. Die Ausstellung befindet sich auf dem alten Minengelände, das vor 25 Jahren geschlossen wurde.

"Manifesta" findet alle 2 Jahre statt, dieses Jahr in der belgischen Provinz Limburg. Auf 25.000 Quadratmetern des alten Bergbaugebäudes in Waterschei findet die Ausstellung ihren Platz, gleichzeitig greift sie die Geschichte des Gebäudes auf. Denn das diesjährige Konzept soll den Besucher darauf aufmerksam machen, welche Auswirkungen die Industrialisierung auf das damalige Leben hatte und wie sie auch heute noch auf uns einwirkt.

Die Stadt Genk entstand um 1900, als die unterirdischen Steinkohlevorräte gefunden wurden. Sie verkörpert und belegt die These des Konzeptes: Die Lebensbedingungen des Menschen werden durch seine Arbeitsbedingungen bestimmt. Das bezeugen zum Beispiel der pompöse Ballsaal oder die Gartenstädte für die Minenarbeiter, die zu einer perfekten Symbiose von Arbeit und Leben beitragen sollten.

Das 3-teilige Konzept der Ausstellung heißt "The deep of the modern“ ("Die Tiefen der Moderne“) und "soll für die Besucher eine kollektive Erfahrung sein, soll sie vor Ort und ihre Interessen involvieren“, erklärt der Hauptkurator Cuauhtémoc Medina.

Das erste Thema "Poetics of restructuring" (“Die Poesie der Neustrukturierung”) zeigt Beiträge von 39 zeitgenössischen Künstlern, die mit ihren Werken ästhetische Antworten und persönliche Kommentare zur weltweiten Neustrukturierung des Produktionssystems im frühen 21. Jahrhundert äußern. Dazu sind zum Beispiel die Fließbandbilder von Edward Burtynsky ausgestellt.

"The age of coal“ (“Das Zeitalter der Kohle”), das zweite Thema, präsentiert eine Übersicht von Kunstwerken aus dem 19. Und 20. Jahrhundert, die in verschiedenster Art und Weise die Auswirkungen der Steinkohleindustrie deutlich machen.

Ein ganz neuer und besonders einzigartiger Teil ist "17 tons“ ("17 Tonnen“), der erhaltene Erbstücke aus der Zeit der Bergbauindustrie in Genk ausstellt. Wichtiger Bestandteil dieser Ausstellung sind die sogenannten Arbeitsmappen der Minenarbeiter. Dabei handelt es sich um mehrere hundert Mappen von Männern, Frauen und auch Kindern. "Manche Kinder waren gerade mal 8 Jahre alt. Sie mussten zwar nicht die eigentliche Steinkohlearbeit verrichten, aber sie belieferten die Minenarbeiter mit ihren Arbeitsmaterialien, sie beluden Wagen mit Steinkohle und transportierten diese", erklärt Edgar Hermans von Manifesta 9.

Außerdem erzählen manche Erbstücke die Geschichten einiger Migranten. "Wir haben hier auch ein Foto von einem griechischen Ehepaar. Als der Mann damals nach Belgien kam um in der Mine zu arbeiten, zerriss das Paar das Foto, damit jeder das Bild des jeweils anderen behalten konnte. Zwei Jahre später folgte die Frau ihrem Mann nach Belgien, da nähten sie das Foto wieder zusammen. Noch heute sieht man die Nähte“. Edgar Hermans macht deutlich: "Dieses Foto erzählt mehr über die Migration als alle Texte und alle Bücher zusammen.“

Bis Ende September wird "The deep of the modern“ von Manifesta iauf dem Gelände der ehemaligen Zeche in Waterschei ausgestellt.