Wärter streiken nach versuchtem Ausbruch

Die Gefängniswärter in Tournai (Provinz Hennegau) haben am Sonntagmittag spontan ihre Arbeit niedergelegt, nachdem der bewaffnete Häftling Julien Cazzetta drei Mitarbeiter als Geisel genommen hatte. Der Streik soll bis 14 Uhr am Montag andauern.

Der 35-jährige Häftling Julien Cazzetta versuchte am Sonntagmorgen mithilfe einer Geiselnahme auszubrechen. Als ihm der Gefängniswärter gegen 7 Uhr morgens das Frühstück in die Zelle brachte, drohte der Häftling damit, eine Bombe zu aktivieren. Daraufhin nahm er den Wächter als Geisel, verlangte mit einem Messer bewaffnet die Schlüssel einiger Türen und schaffte es schließlich bis zum Eingang des Gefängnisses. Dort überwältigte eine Gruppe von Polizisten den Geiselnehmer. Der Fluchtversuch dauerte etwa eine halbe Stunde.

Cazzetta gilt als gefährlich, er ist wegen Totschlag zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seit November 2010 ist er inhaftiert, am 31 Juli 2011 flüchtete er schon einmal aus dem Gefängnis in Jamioulx. Auch bei diesem Ausbruch hatte er eine Geisel genommen. Als der Ausbrecher dann 11 Tage nach seiner Flucht in Frankreich wieder festgenommen werden konnte, wurde er in das Gefängnis von Tournai verlegt.

Zurzeit wird der 35-jährige Häftling wegen der Geiselnahme verhört. Ihm drohen nun weitere 10 Jahre Haft, außerdem wird er in das Gefängnis in Brügge verlegt.

Aufgrund des Streikes müssen die Gefängnisinsassen zurzeit auf ihren Ausgang in den Gefängnishof und auf den Besuchsempfang verzichten. Am Montagnachmittag ist eine Mitarbeiterversammlung geplant, aber nach Aussagen der Gefängniswärter wird der Streik nicht länger als bis um 14 Uhr  dauern.