Belgien: Warnstreiks bei den Notrufdiensten

Die Mitarbeiter der Notrufzentralen 201 und 112 haben für das kommende Wochenende Warnstreiks angekündigt. Sie protestieren damit gegen akuten Personalmangel und gegen nicht erfüllte Zusagen in Personalfragen.

Bei den Notrufzentralen von Polizei und Feuerwehr in Belgien drohen ab Sonntag Warnstreiks, denn die Mitarbeiter der Rufnummern 101 und 112 wollen gegen akuten Personalmangel in ihren Diensten protestieren.

Schon im Dezember 2011 hatten Gespräche mit dem belgischen Innenministerium ergeben, dass die Notrufdienste 80 zusätzliche Kollegen einstellen dürfen. Doch bisher ist offenbar noch nichts entsprechendes geschehen und weitere Verhandlungen mit der zuständigen Bundesinnenministerin Joëlle Milquet (CDH) hätten keine Ergebnisse gebracht, hieß es in Gewerkschaftskreisen dazu.

Nach Ansicht der Telefondienst-Mitarbeiter ist die Situation in den Notrufzentralen kaum noch zu ertragen. Normalerweise müssen die Mitarbeiter bei 101 und 112 pro Schicht 70 bis 75 Anrufe bearbeiten, doch durch Ausfälle oder durch fehlendes Personal werden nicht selten Doppelschichten gefahren und pro Schicht bis zu 150 Notrufe koordiniert. Es soll schon vorgekommen sein, dass Anrufer minutenlang in der Warteschleife waren, weil kein Telefon frei war… Und das bei einem Notdienst, bei dem es oft um Sekunden geht.

Unter diesen Arbeitsbedingungen verlieren die Mitarbeiter ihre Motivation und, noch schlimmer, ihre Konzentration. Schließlich stehen Anrufer, die einen Unfall, einen Herzinfarkt oder einen Brand melden, nicht selten unter Schock. Dann brauchen die Nothelfer am Telefon all ihre Konzentration, um den Ort des Geschehens und die genaueren Umstände des Vorgangs zu erfahren, damit entsprechende Rettungsdienste auf den Weg gebracht werden können.

Notrufnummern arbeiten auch bei Streiks

Die Mitarbeiter der Notrufzentralen haben ihre für Sonntag geplanten Warnstreiks schon jetzt angekündigt, damit es dann nicht zu einem Chaos kommt. Im Falle eines Streiks übernehmen die zivilen Kollegen der Polizei die Notrufzentralen, damit alle Notrufe bearbeitet werden können. Die Sicherheit und die Pflichtaufgaben der Notrufdienste bleiben also auf jeden Fall gewährleistet.

Landesweit arbeiten in Belgien rund 250 Mitarbeiter in den Notrufzentralen. Insgesamt gibt es 11 dieser Zentralen in Belgien: Eine in jeder Provinz und eine Notrufzentrale für die Region Brüssel-Hauptstadt. Ab dem kommenden Sonntag soll jeden Tag ein Warnstreik in einer anderen Zentrale durchgeführt werden.