Neueröffnung von "In Flanders Fields"

Das 1. Weltkriegsmuseum "In Flanders Fields" öffnet am Montag, den 11. Juni in den Lakenhallen von Ypern die Türen. Die Besucher werden ein vergrößertes und ausgebessertes Museum vorfinden – in Bezug auf die Räumlichkeiten, als auch auf die konzeptionelle Umsetzung.

Am Sonntag dürfen die Bewohner aus Ypern das neue Museum "In Flanders Fields“ (IFFM) -als erste Besucher überhaupt- besichtigen. Ab Montag, dem 11. Juni, sind die Türen des Museums dann für alle Interessierten geöffnet. Die Museumsleitung erwartet etwa 200.000 Besucher pro Jahr, Interessierte aus allen Altersklassen. Voraussichtlich werden Belgier, Engländer, Franzosen und auch einige wenige Deutsche das IFFM besuchen.

Schon der Name des Museums stellt einen ersten Bezug zu dem 1. Weltkrieg in den Jahren von 1914 bis 1918 her: "In Flanders Fields“ ist ein Gedicht von dem berühmten amerikanischen Dichter John McCrae (*30.11.1872 in Kanada, † 28. Januar 1918 in Frankreich), der in der zweiten Flandernschlacht bei Ypern als Sanitätsarzt im Rang eines Oberstleutnant im Einsatz war. Der Tod eines Kameraden und früheren Studenten Leutnant Alexis Helmer, inspirierte John McCrae am 3. Mai 1915 zu dem Gedicht "In Flanders Fields“:

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.
We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

 Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.

Mit der wachsenden Popularität des Gedichtes wurden die "Poppies" (Mohnblumen) nach und nach ein Symbol des Gedenkens an die Kriegsopfer von 1914 bis 1918.

Nach einem bereits erfolgreichem Bestehen des Museums, unter anderem ausgezeichnet durch den Museumspreis in 2010, wurden die Räumlichkeiten, als auch die konzeptionelle Umsetzung der Ausstellung erneuert.

"Das Museum ist jetzt viel größer“

Zur Erneuerung des Gebäudes lässt sich einiges verraten: Die Ausstellung des Museums findet ihren Platz in der so genannten "Lakenhalle van Ieper“ (Tuchhallen von Ypern). Dabei handelt es sich um einen großen Gebäudekomplex, dessen Bau sich über das gesamte 13. Jahrhundert erstreckte. Im ersten Weltkrieg wurde es durch den deutschen Beschuss stark beschädigt, inzwischen ist es komplett renoviert.

Zum 100sten Gedenktag in 2014 erwartet das IFFM einen großen Anschwung von Besuchern. Das ist einer der Gründe, warum ein Ausbau nötig war. Im Vergleich zum alten Museum ist die Fläche nun etwa 50 % größer. Außerdem besitzt das Museum jetzt ein "Wissenszentrum“, einen neuen pädagogischen Raum, ein neues Museumscafé mit über 100 Sitzplätzen, einen größeren Museumsshop und ein ausgebautes Eingangsfoyer mit Schließfächern, Sanitäreinrichtungen, neuen Treppen und Liften.

"Große Räumlichkeiten benötigen auch großes Mobiliar. Kleine Möbel würden untergehen. Deshalb arbeiten wir viel mit eigenen Entwürfen“, erklärt der Leiter des Museums Piet Chielens. Denn für die räumliche Gestaltung des neuen Museums war "Tijdsbeeld & Pièce Montée“ mit zuständig. In einer Art Casting wurde der Gestalter für das neue Design bereits vor einiger Zeit ausgewählt: Tijdsbeeld & Pièce Montée ist ein Entwurfs-, Planungs- und Umsetzungsbüro für Ausstellungen in Museen.

Interaktion zwischen Museum und Besucher

Teil des neuen Konzeptes ist es, durch verschiedenste Methoden eine Interaktion zwischen Museum und Besucher zu schaffen. Die sogenannten "Poppy“- Armbänder sollen dazu beitragen: Zu Beginn des Museumsbesuchs kann jeder Besucher ein solches Armband für 1 Euro erwerben. Es ist mit einem Chip versehen, der jeweils den Namen, das Alter, das Geschlecht und den Wohnort der Person speichert. Unter Berücksichtigung dieser Daten wird dann automatisch eine individuelle Museumsführung erstellt: Insgesamt lernt der Besucher vier verschiedene Charaktere kennen, die jeweils ihre ganz persönliche Geschichte aus dem 1.Weltkrieg erzählen.

"Angenommen, sie sind ein 30-jähriger Mann aus Gent. Zuerst würden sie eine Geschichte von einem etwa gleichaltrigen Betroffenen aus Gent hören. Zum Beispiel einer, der als Soldat an die Front geschickt wurde“, verdeutlicht Chielens. "Dann würde eine Geschichte eines Gegners aus dieser Zeit folgen, also die Geschichte eines etwa gleichaltrigen Deutschen. Schließlich käme folglich die Erzählung einer Frau. Zuletzt wählt der Computer willkürlich eine Vierte,  aus allen verfügbaren Geschichten, aus.“

Zurzeit sind rund 480 verschiedene Geschichten gespeichert, doch es werden täglich mehr. Da für die Zukunft 800 Erzählungen geplant sind, ist der Museumsleiter für persönliche Vorschläge sehr dankbar. "Menschen, die von ihren eigenen Erlebnissen im 1.Weltkrieg berichten, heißen wir herzlich willkommen! Hier können sie sich sicher sein, dass ihre persönliche Geschichte weiterlebt, sie nicht vergessen wird und den gesamten Kontext bereichert“.

Irgendwann kann dann für jeden Besucher eine einzigartige Führung zusammengestellt werden, versichert Piet Chielens: "Jetzt kann es noch vorkommen, dass zwei Besucher aus Südfrankreich dieselbe Geschichte erzählt bekommen. Wenn wir künftig mehr Geschichten auch von den Betroffenen aus dem Ausland erhalten, können wir eine noch individuellere Führung garantieren“.

Am Ende kann jeder Besucher mit dem "Poppy“- Armband in der Datenbank prüfen lassen, ob unter den Opfern der Flandernschlachten im 1. Weltkrieg auch der eigene Familienname vorkommt. Zuletzt kann das Armband als einzigartiges Souvenir, als Erinnerung an den Museumsbesuch, mit nach Hause genommen werden.

Museumsbesuch so intensiv wie nur möglich

Mit ihrer Ausstellung möchte das In Flanders Fields Museum eine deutliche Friedensbotschaft aussenden. "Erst wenn wir das geschafft haben, ist unser Ziel erreicht“, sagt Chielens. Damit sich die Besucher ein eigenes Bild von dem 1. Weltkrieg machen können, stellt das Museum alle erdenklichen Seite dar. Ziel ist es schließlich, das Auftreten weiterer Kriege zu vermeiden.

"Der Krieg ist sicherlich nicht die beste Art und Weise, einen Konflikt zu lösen. Zumal, weil es immer einen großen Unterschied gibt zwischen dem, was von dem Krieg versprochen und erwartet wird und dem, wie sich der Krieg am Ende tatsächlich auswirkt.“ Da erinnert Piet Chielens an den bekannten Satz  "An Weihnachten sind wir wieder zurück“. So hieß es nämlich 1914 von den ersten Soldaten, die in die Schlacht zogen.

Ein ganz entscheidender Vorteil für das IFFM in Ypern ist seine Lage. Nicht nur die Gebäude erinnern an die Vergangenheit, sondern auch die Landschaft der ganzen Region. Ein Besuch des Belfriedturmes während des Museumsbesuches ist deshalb dringend zu empfehlen. Denn von dort aus darf man einen einmaligen Ausblick genießen. Gleichzeitig wird man mit dem Anblick der Region konfrontiert, wo vor hundert Jahren die grausamen Schlachten stattfanden.

Damit die ausgesendete Friedensbotschaft des Museums auch die jüngste Generation erreicht, setzt das Konzept vor allem auf neuste museale Techniken. "Unser Publikum verändert sich. Für zwei Drittel unserer Besucher ist der erste Weltkrieg tatsächlich nur noch Geschichte. Sie haben niemanden, der ihnen die Zusammenhänge des Krieges erklären kann. Schulausflüge machen etwa 40 bis 45 % unserer Besuche aus. Weil nicht unbedingt alle Schülerinnen und Schüler freiwillig hier sind, ist es unsere Aufgabe, sie im Laufe ihrer Besuches zu stimulieren, ihr Interesse zu wecken“ sagt Piet Chielens.

Neuste Methoden

Neben den "Poppy“-Armbändern sind auch einige andere Teile der Ausstellung technisiert: Multimedia-Projektionen und Filme sollen den Besucher besonders beeindrucken. Fotografien, historische Gegenstände, Modelle und Schaukästen sollen vom Leben und Sterben der Soldaten an der Westfront, sowie von der Zerstörung und dem Wiederaufbau der gesamten Region erzählen. Eine große Landkarte, die der Besucher buchstäblich selbst entlangwandert, ergänzt die übrigen Ausstellungsstücke und erinnert daran, wie zentral das Thema wirklich ist.

Verschiedene echte Soldatenuniformen aus den Jahren 1914 bis 1918 können verglichen werden: Im Laufe der Zeit wurde die Kleidung immer wieder verbessert und an die äußeren Umstände angepasst. Des Weiteren können nachgebaute Schutzgräben und ein Untergrundkomplex nach dem Modell von Yorkshire Trench besichtigt werden. Einer von vier Türmen in dem hohen Gebäude erinnert an die "gueules cassées“, Soldaten, die durch die Schlacht mit schwer verstümmelten Gesichtern gekennzeichnet wurden.

Mehrere Luftaufnahmen bilden im Gesamtbild eine ganze Karte der Region aus der damaligen Zeit, über die digital eine aktuelle Landkarte projiziert wird. Schließlich endet die Museumsroute an einem großen Tuch: Hier sind alle 130 großen Kriege aufgelistet, die noch nach dem 1.Weltkrieg stattgefunden haben. Damit gerät der Besucher ein weiteres mal in eine direkte Konfrontation: Hätte der 1.Weltkrieg nicht eigentlich der letzte Krieg sein sollen?

Das "Wissenszentrum"

Nach der Museumsführung lohnt sich ein Besuch des sogenannten "Wissenszentrums“, das sich ebenfalls in den Tuchhallen Yperns befindet. Dabei handelt es sich um den Speicher des Museums: Hier kann jeder Besucher kostenlos in archivierten Büchern, Zeitungen, Fotos und Zeitschriften aus Zeiten des Krieges stöbern. Dadurch können offene Fragen beantwortet, entstandenes Interessen an speziellen Themen oder reine Neugierde gestillt werden.

Die Schlacht der Westfront von Flandern

In der Zeit von 1914 bis 1918 kamen in Belgien mindestens 600.000 Menschen ums Leben, davon geschätzte 550.000 allein an der Westfront. Noch heute erinnern die 425.000 Gräber und Denkmäler an die viele Millionen Opfer des 1. Weltkrieges.

Alle Infos auf einen Blick

IN FLANDERS FIELDS MUSEUM
Lakenhallen
Grote Markt 34
B 8900 Ypern
Belgien

Öffnungszeiten:
11 Juni bis 15 November 2012 täglich von 10 bis 18 Uhr
16 November bis 31 Dezember von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr
(Kartenverkauf immer bis 1 Stunde vor Schließung)

Eintrittspreise:
Erwachsene € 8,00
Jugendliche 7-25 Jahre € 1,00
Kinder < 7 Jahre gratis
Zusätzlich € 1,00 Pfand für das "Poppy“-Armband