Sprecher von Sharia4Belgium in Haft

Die Brüsseler Justiz hat am Donnerstagmorgen Fouad Belkacem (Foto), den Sprecher der radikalen Bewegung Sharia4Belgium verhaften lassen. Das zuständige Gericht ist der Ansicht, dass Belkacem Anstifter der Unruhen in Molenbeek war.

Am späten Donnerstagnachmittag in der vergangenen Woche hatte eine Polizeistreife im Brüsseler Stadtteil die Identität einer vollverschleierter Frau kontrollieren wollen, was diese verweigerte. Auf der Polizeiwache war es anschließend zu Tumulten gekommen, bei denen die Betroffene und zwei Polizistinnen verletzt wurden. Danach waren dutzende aufgebrachte Personen vor der Wache aufgetaucht und sorgten für Unruhen, bei denen die Polizei massiv auftreten musste. In Belgien ist das Tragen von Vollschleiern, die das Gesicht der Frauen bedecken, per Gesetz verboten.

Am Tag danach kam es erneut zu Tumulten in Sint-Jans-Molenbeek, nachdem die fundamentalistische islamistische Bewegung Sharia4Belgium über ihren Sprecher Fouad Belkacem zu Protesten aufgerufen hatte. Damit hatte dieser gegen Bewährungsauflagen verstoßen, denn im vergangenen Monat Mai hatte ein Gericht ihn zu zwei Jahren Haft, wovon ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt war, verurteilt.

Damals wurde Belkacem wegen Aufrufen zu Hass und Gewalt und wegen des Bedrängens der Nächsten der verstorbenen Vlaams Belang-Politikerin Marie-Rose Morel vor Gericht gestellt. Doch da Haftstrafen unter drei Jahren in Belgien bis auf weiteres nicht ausgeführt, sondern in Bewährungsstrafen umgewandelt werden, befand sich Fouad Belkacem auf freiem Fuß.

Da er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen hatte, wurde er jetzt in Antwerpen, wo er lebt, auf Geheiß der Brüsseler Justiz aus dem Bett geholt und verhaftet. Im Laufe des Tages erhob die Staatsanwaltschaft Antwerpen Anklage gegen den Hassprediger und er wurde auf Anordnung des Untersuchungsrichters in U-Haft genommen.

In den vergangenen Tagen wurden Forderungen laut, nach denen die radikal-islamistische Bewegung Sharia4Belgium verboten werden soll. Verschiedene politische und juristische Instanzen prüfen einen solchen Schritt offenbar. Man wirft der Bewegung vor, zu Hass und Gewalt gegen Nichtgläubige aufzurufen.