Brüssel: "Ernste" Bedrohung durch Extremisten

Nachdem am Freitagabend zwei Polizisten in der Brüsseler U-Bahn offenbar von einem Moslemextremisten angegriffen worden sind, schätzt die belgische Antiterrorabteilung OCAD die Gefahr durch Extremismus in Brüssel höher ein.

Die Gefahrenstufe für Brüssel wurde nach dem Zwischenfall vom Freitagabend von 2 auf 3 angehoben. Laut der Antiterrorabteilung OCAD sei die Bedrohung nun für die gesamte Hauptstadt-Region "ernst".

Bis zum Freitagabend habe diese Stufe allein für den Stadtteil Sint-Jans-Molenbeek gegolten. Für den Rest der Region Brüssel hatte die Gefahrenstufe 2 gegolten. Diese Stufe bedeutet eine "mittlere" Gefahr. Jetzt gilt also Stufe 3.

Am Freitagabend hatte ein französischer Moslemextremist zwei Polizeibeamte an der U-Bahnhaltestelle Beekkant mit einem Messer angefallen. Die Beamte hatten nach einer Kontrolle bei vier festgenommenen Menschen gestanden. Einer der beiden Beamte, übrigens selbst eine Muslimin, muss auch am heutigen Samstag noch im Krankenhaus zur Beobachtung bleiben. Sie hat innere Blutungen, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Der Täter wird auch am heutigen Samstag weiter verhört. Er war am gestrigen Freitag aus der französischen Hauptstadt Paris nach Brüssel gekommen. Er sagt, dass er mit seiner Tat gegen die belgische Politik gegenüber Muslime habe protestieren wollen.

Anfang der Woche ist der Sprecher Fouad Belkacem von der extremistischen Sharia4Belgium wegen Aufhetzung festgenommen worden. Er hatte eine Videobotschaft vor dem Hintergrund der Festnahme einer verschleierten Frau und daraufhin statt findenden Tumulten in Sint-Jans-Molenbeek verbreitet.

Gewerkschaft fordert mehr Sicherheit für Polizei

Die muslimische Gemeinschaft hat sich inzwischen von der Tat des Franzosen distanziert.

Die liberale Gewerkschaft VSOA fordert dringende Maßnahmen, um Polizisten bessere Sicherheitsvoraussetzungen und mehr Unterstützung zu gewähren. Der VSOA zufolge gebe es noch immer Bürgermeister und Korpschefs, die zu lasch mit der Sicherheit von Polizisten umgingen.

"Sobald sich ein seriöser Zwischenfall ereignet, bei dem Kollegen verletzt werden, wird die Polizeigewerkschaft VSOA nicht zögern, die nötigen gerichtlichen Schritte gegen die Verantwortlichen dieser Zonen einzuleiten", heißt es noch.