Brüssel: Neun Jahre Haft für Exorzisten

Beim Exorzismus-Prozess in Brüssel ist das Strafmaß verkündet worden. Die zwei Hauptschuldigen müssen für jeweils neun Jahre ins Gefängnis und die Haftstrafen von drei bis fünf Jahren für die vier weiteren Beschuldigten wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Das Strafmaß blieb deutlich unter den Forderungen der Anklage, die Haftstrafen von 30 Jahren gefordert hatte. Als einen Grund für die recht niedrigen Strafen nannte das Gericht die Tatsache, dass ein "redlicher Zeitraum“ zwischen dem eigentlichen Fall, dem Tod einer jungen Frau im August 2004 nach einer Teufelsaustreibung, und dem Prozess Mitte 2012 weiträumig überschritten worden sei.

Die Angerklagten wurden des Todes einer 23jährigen Frau für schuldig befunden. Die moslemische Frau aus dem Brüsseler Stadtteil Schaarbeek starb am 5. August 2004 nach rund einem Monat Folter und Qualen durch Exorzismus.

Dabei musste sie literweise Wasser trinken, wurde sie geschlagen und in heißes Wasser gebadet. Die Familie des Ehemannes der Frau hatte einen Teufelsaustreiber zur Hilfe gerufen, da ihre Schwiegertochter keine Kinder bekam.

Alle sechs Angeklagten waren der Folter für schuldig befunden worden. Bei den beiden Hauptangeklagten, der Ehemann der Getöteten und ein zum Islam bekehrter Belgier, kam zur Folter noch Todesfolge hinzu. Sie erhielten neun Jahre Haft. Die vier weiteren Beschuldigten, drei Frauen und ein islamischer Lehrmeister, erhielten Strafen von drei bis fünf Jahren, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die Angehörigen der Getöteten konnten nach der Verkündigung der Strafmaße nicht nachvollziehen, dass die Angeklagten dabei "so gut wegkamen“, doch die Anwältin des Ehemannes der Frau sprach von einer zweiten Chance für ihren Mandanten, der nach der Haft noch "etwas aus seinem Leben machen könne".