"Waldjunge" ist doch nicht vermisster Liam

Im September 2011 war in Berlin plötzlich ein unbekannter Junge aufgetaucht, der angeblich seit 5 Jahren mit seinem Vater durch Wälder wanderte und in Höhlen und Zelten übernachtete. Bis vor Kurzem war unklar, woher Ray wirklich stammte. Nach der Veröffentlichung von Fotos wurde der Junge in den Niederlanden erkannt. Auch die belgische Polizei überprüfte, ob es zwischen dem aufgetauchten "Waldjungen" und dem 1996 spurlos verschwundenen Liam vanden Branden aus Mechelen eine Verbindung gab.

Seit fast einem Jahr tappte die deutsche Polizei im Dunkeln: Woher stammte der Junge, der sich selbst "Ray“ nennt und angeblich 5 Jahre lang mit seinem Vater in Wäldern lebte?

Aus dem niederländischen Hengelo

Am Mittwoch stimmte der Unbekannte endlich zu, Bilder von ihm zu veröffentlichen. Nun konnten die Ermittlungen auf internationaler Ebene weitergeführt werden. Deshalb war auch die belgische Polizei aufmerksam geworden: War Ray vielleicht der 1996 spurlos verschwundene Liam vanden Branden aus Mechelen? Um diese Frage beantworten zu können, wurde von Liams Mutter eine DNA-Probe entnommen.

Jetzt wurde der Junge auf Fotos von Freunden aus Hengelo erkannt. Dort war er im letzten Jahr aufgrund persönlicher Probleme verschwunden.

Im September letzten Jahres meldete sich ein blonder, schlanker und gepflegt aussehender junger Mann im Roten Rathaus in Berlin. Zunächst sprach er Englisch und erklärte, dass er aus dem Wald käme. Seit 5 Jahren wandere und lebe er dort, nun sei sein Vater verstorben, den er schließlich im Wald unter Steinen begraben habe.

Die Polizei bezweifelte den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte: Der Junge konnte weder erklären, durch welche Städte und Länder er gewandert sei, noch, wo er seinen Vater begraben habe. Außerdem war es verwunderlich, dass Ray bei seinem Auftauchen einen so gepflegten Eindruck gemacht hatte: Seine Kleidung als auch seine Fingernägel waren sauber.

Ray gab an, am 20. Juni 1994 geboren zu sein. Über seine Eltern sagte der 17-Jährige nur wenig: Seine Mutter hieß Doreen, sie sei jedoch vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vermutlich waren Rays Narben im Gesicht von diesem Unfall, der sich abspielte, als er 12 Jahre alt war. Seit dem Tod der Mutter entschied sich der Vater, Ryan, mit seinem Sohn als Nomaden durch deutsche Wälder zu ziehen.

DNA-Probe von Liams Mutter

Die belgische Polizei untersuchte nun, ob der in Berlin aufgetauchte Ray vielleicht der 1996 spurlos verschwundene Liam vanden Branden aus Mechelen ist. Zwar hielt die Polizei die Vermutung selbst für "sehr unwahrscheinlich“ , so der Kommissar Alain Remue von der Abteilung für vermisste Personen. "Aber die Sache ist zu wichtig, um sie nicht zu untersuchen“.

Liam vanden Branden verschwand, als er 1996 als 2,5-Jähriger unbeaufsichtigt im Garten seiner Großmutter spielte.