Busunglück: "Ursache noch nicht deutlich"

Am Freitagmorgen war der Schweizer Staatsanwalt nach Belgien gekommen, um die Angehörigen der 28 Opfer über die Ergebnisse der dreimonatigen Untersuchung zu informieren. Da es bislang noch keine eindeutige Ursache für das Busunglück gibt, spitzen sich die Untersuchungen jetzt auf den Fahrer zu.

Der Schweizer Staatsanwalt Olivier Elsig (kleines Foto) war nach Belgien gekommen, um die bisherigen Untersuchungsergebnisse mitzuteilen. Freitagmorgen hatte er die Angehörigen der Opfer informiert: "Das Ausmaß der Katastrophe hat uns veranlasst, eine Pressekonferenz abzuhalten", so Elsig später in Brüssel.

Der Staatsanwaltschaft gab eine detaillierte Übersicht des Reiseverlaufs nach der Abfahrt in Saint-Luc um 19.45 Uhr. Aus der Tachografenanalyse entnahmen die Ermittler, dass der älteste und in den Bergen erfahrenste Fahrer am Steuer saß. "Um 21.11 Uhr wurde er vom zweiten Fahrer abgelöst. In 68 Sekunden erhöhte dieser das Tempo auf 90 km/h und hielt dieses Tempo bis maximal 100 km/h bei."

"Zum Zeitpunkt des Aufpralls fuhr der Reisebus mit einer Geschwindigkeit von 99-101 km/h und damit nicht zu schnell. Im Tunnel selbst prallte er zunächst mit dem Reifen gegen die rechte Tunnelwand, bevor der Bus direkt auf die Sicherheitsnische auffuhr."

Kein technischer Defekt

Die technische Expertise schloss einen Defekt am Fahrzeug aus.

"Wir versuchen die Ursache zu ermitteln, indem wir so viele andere mögliche Ursachen ausschließen", sagte der Schweizer Staatsanwalt in Brüssel: "Ein anderes Fahrzeug, Mängel an der Straßendecke oder am Fahrzeug sowie die Geschwindigkeit haben den Unfall jedenfalls nicht ausgelöst."

In den kommenden Monaten werden die Ergebnisse der Autopsie ausgewertet und eine Analyse der Kameraaufnahmen im Tunnel abgeschlossen.

"Sechs Monate für eine Untersuchung sind lang", so Elsig, "aber nichtdestotrotz erforderlich." Nach dem Sommer wollen die Schweizer Ermittlungsbehörden ihre Untersuchungen abschließen.