Tihange 1 bleibt 10 Jahre länger am Netz

Belgiens Staatssekretär für Energie, Melchior Wathelet (CDH), hat einen Plan vorgestellt, mit dem er die Energiesicherheit iim Land gewährleisten will. Der Plan sieht vor, das Kernkraftwerk von Tihange (Foto) länger am Netz zu lassen. Dem entsprach jetzt der belgische Ministerrat.

Vor rund 10 Jahren beschloss die damalige belgische Bundesregierung den Atomausstieg. Entsprechende Planungen sahen vor, die Meiler Doel 1 und Doel 2 im gleichnamigen Kernkraftwerk bei Antwerpen und Tihange 1 ab 2015 vom Netz zu nehmen. Doch inzwischen ist in Sachen Energieproduktion und Alternativen zum Atomstrom in Belgien nicht viel passiert, wenn man vom Bau mehrerer Windkraftanlagen z.B. vor der belgischen Nordseeküste absieht.

Aus diesem Grund wütet im Land eine heftige Diskussion darüber, ob im Zuge des Atomausstiegs das Licht ausgehen wird. Zudem, so der Energiestaatssekretär, komme eine Verlängerung der Laufzeit von Tihange 1 den Verbrauchern zu Gute, da dies den Strommarkt stimulieren werde. Wathelets Standpunkt war zunächst eine persönliche Ansicht, denn auf Regierungsebene war bis Mittwochmorgen noch nichts beschlossen.

Flanderns Sozialisten (SP.A) und Liberale (Open VLD) waren mit den Standpunkten von CDH, die frankophone Zentrumspartei, und der sozialistischen PS, die Laufzeiten verschiedener Atommeiler zu verlängern, nicht einverstanden. Beide Parteien hielten am vor 10 Jahren beschlossenen Atomausstieg fest. Nur Belgiens Verbraucherschutzminister Johan Vande Lanotte von der SP.A wollte über verlängerte Laufzeiten sprechen, allerdings nur dann, wenn dies den Stromkunden im Land Vorteile bringen würde.

Doch am Mittwoch entsprach die belgische Bundesregierung dem Vorschlag Wathelets in Teilen und Tihange 1 bleibt bis voraussichtlich 2025 am Netz. Die Meiler Doel 1 und 2 sollen allerdings ein Jahr früher als geplant abgeschaltet werden. Damit gehen sie 2015 vom Netz und nicht erst 2016.

Flanderns Sozialisten SP.A, die sich bisher gegen verlängerte Laufzeiten von Kernkraftwerken gestämmt hatten, änderten am Mittwoch ihre Ansicht und halten es inzwischen für wichtig - sprich verbraucherfreundlich - dass ein Fünftel der nuklearen Kapazität in Belgien an den Markt gebracht werden.

Energiekonzern Electrabel, Besitzer und Betreiber der Kernkraftwerke in Belgien, reagierte am Mittwochnachmittag entzürnt. Marktanteile neuen Produzenten anzubieten, sei ungesetzlich und zudem komme die Regierung getroffenen Abmachungen  nicht nach, nach denen die Meiler in Doel auch länger laufen sollten.