Geldnot: NMBS Logistics muss Loks verkaufen

Die Gütersparte der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB hat derzeit ein Liquiditätsproblem und sieht sich gezwungen, einige erst vor einigen Jahren beschaffte Loks zu veräußern. Daneben öffnet sich NMBS Logistics auch jetzt Minderheits-Aktionären.
Der Gütertransport von NMBS Logistics bringt derzeit kein Geld mehr ein

Vor einigen Tagen meldeten verschiedene Tageszeitungen in Flandern, dass die die Cargosparte der belgischen Bahn, NMBS Logistics, ein Liquiditätsproblem vermeiden wolle. Dazu sollen kurzfristig eine ganze Reihe der modernen Rangier- und Streckenloks der recht neuen Baureihe 77 (kleines Foto) verkauft werden. Die Fahrzeuge vom Typ HDL 77 wurden beim deutschen Lokomotiven-Hersteller Vossloh in Kiel beschafft.

Mitte der Woche hatte der Verwaltungsrat von NMBS Logistics beschlossen, die verlustreiche Gütersparte der belgischen Bahn innerhalb der kommenden 18 Monate wieder aufs richtige Gleis zu bringen. Dazu müssen in diesem Zeitraum rund 60 Millionen € aufgetrieben werden. Neben dem Verkauf von Triebfahrzeugen soll auch auf andere Weise nach frischem Kapital gesucht werden. Dazu will man sich jetzt auch privaten Gesellschaftern in Form von Minderheits-Aktionären öffnen. NMBS Logistics ist zwar verlustreich, hat aber an attraktivem Tafelsilber u.a. die Aktivitäten im Hafen von Antwerpen zu bieten.

Aber, NMBS Logistics schafft es nicht, operationell erfolgreich zu sein. Zu den ständig steigenden betrieblichen Verlusten kommen auch noch Altschulden der Bahn in Höhe von 1,7 Milliarden € hinzu. Eine erste Hilfestellung deutet sich offenbar schnell an, denn die Bahnholding NMBS/SNCB erklärte sich nach Angaben der flämischen Tageszeitung De Standaard dazu bereit, die 77er-Lokomotiven als Zwischenlösung zu übernehmen.

Doch auch andere in Belgien aktive Bahnanbieter hatten Gebote abgegeben. Durch sinkende Frachtzahlen stehen nicht wenige Maschinen still und in den vergangenen Monaten hatte NMBS Logistics und auch die Bahnholding komplette Baureihen älterer Fahrzeuge ausgemustert und abgestellt.

Die Konkurrenz wacht mit Argusaugen

Die privaten Güterbahnanbieter in Belgien beobachten das Geschehen derweil mit Argusaugen, denn eine eventuelle Initiative der belgischen Bahngesellschaft zu Gunsten von NMBS Logistics sehen sie als Wettbewerbsverzerrung an. Das privat geführte Bahncargo-Unternehmen Crossrail mit belgischer und schweizerischer Beteiligung ist das größte in Belgien aktive Bahnunternehmen und damit der wichtigste Konkurrent der Staatsbahn.