Plagiat? Vlaams Belang kopiert SVP-Plakate

Die Kampagne, mit der dieRechtsradikalen des Vlaams Belang im Kommunal-Wahlkampf um Stimmen wirbt, stößt bei den Schweizer Rechtspopulisten SVP auf Nasenrümpfen. Die Plakate sind quasi die gleichen, wie bei der SVP-Abschiebekampagne 2010.

Als die Schweizer 2010 darüber abstimmen sollten, ob kriminelle Ausländer grundsätzlich abgeschoben werden sollen oder ob Einwanderer leichter die schweizerische Staatsangehörigkeit erlangen können, trumpfte die rechtspopulistische Partei SVP mit Plakaten auf, die zwei Verbrecher-Konterfeis zeigte, die aufgrund ihrer Straftaten keine Schweizer werden dürften.

Auch der rechtspopulistische Vlaams Belang, der nach dem Erstarken der flämischen Nationaldemokraten N-VA durch deren Attraktivität für Nationalisten an Wählern verliert, wartet im Zuge der kommenden Wahlen - am 14. Oktober werden in Belgien die neuen Stadt- und Gemeinderäte gewählt - mit einer Kampagne zum Thema öffentliche Sicherheit auf, die die Konterfeis von Kriminellen zeigt, die "ohne Pardon hinter Gitter“ gebracht werden sollten.

So weit, so gut. Wäre da nicht der Umstand, dass die Plakate des Vlaams Belang quasi die gleichen sind, wie die der SVP aus dem Jahr 2010: Gleiches Layout, gleiche Farben, gleiche Fotos… Nur die Namen der Missetäter und deren Vergehen wurden angepasst. Aus Ivan S. wurde Igor S. und in Flandern wurde der vermeintlich schweizerische Vergewaltiger zum Einbrecher. Aus dem "Schweizer“ Faruk B., einem Mörder wurde Saïd I., ein Räuber und der Sozialbetrüger Ismir K. heisst in Flandern Frans V. und ist ein flämischer Kinderschänder.

Bei der SVP rümpft man die Nase und die parteieigene PR-Agentur Goal wittert Plagiat, doch im Hauptquartier des Vlaams Belang spricht man von einem „informellen Ideenaustausch auf europäischer Ebene“, schreibt das Schweizer Fernsehen (SF) auf seiner Webseite SF Online. Bei der SVP hieß es dazu, dass man eigentlich gar keine Kontakte zum Vlaams Belang pflege.

Pikant wird die Sache zudem, weil der Fotograf der auf den Plakaten erscheinenden Personen und dessen kanadische Agentur nichts davon wussten, dass die von Goal erworbenen Bilder Teil einer politischen Kampagne sein sollten. So droht hier sowohl Vlaams Belang, als auch der SVP womöglich noch Ungemach, auch wenn Filip Dewinter, der starke Mann der Partei in Flandern sagt, dass die Fotorechte ehrlich erworben worden seien, wie die flämische Tageszeitung De Morgen meldete.

Weitere Klage gegen Vlaams Belang?

Das Zentrum für Chancengleichheit und den Kampf gegen Rassismus erwägt erneut gegen den rechtsradikalen Vlaams Belang zu klagen. Hintergrund ist die nach Ansicht des Zentrums die oben erwähnte “schockierende Kampagne” zur öffentlichen Sicherheit für die anstehenden Kommunalwahlen am 14. Oktober. Das Zentrum ist der Ansicht, dass auf den Wahlplakaten Ausländer mit Kriminellen gleichgesetzt würden. Zudem hätten Vlaams Belang-Anhänger junge Muslime bei einem Halal-Lebensmittel-Infotag in einer Schule dazu bringen wollen, Würstchen aus Schweinefleisch zu essen.

Bereits 2004 hatte das Zentrum für Chancengleichheit und den Kampf gegen Rassismus gegen die seinerzeit noch Vlaams Block genannte Partei geklagt und vor Gericht Recht bekommen. Danach hatte der Block sich aufgelöst, neu aufgestellt und in die neue Partei Vlaams Belang umgetauft. Das Zentrum prüft die Vorwürfe auf juristischer Ebene und will in einiger Zeit entscheiden, ob es zu einer Klage kommen wird oder nicht. Ob das noch vor den Kommunalwahlen sein wird, ist noch unklar.