Abschiebung für Parweiz Sangari

Vor vier Jahren war der junge Mann, nachdem sein Vater – ein Polizist – ermordet worden war, nach Belgien geflüchtet. Er hatte sich sehr schnell in Flandern integriert, die Sprache gelernt und einen Beruf erlernt. Trotzdem wurde er nach dem Ende seines Asylverfahrens jetzt wieder abgeschoben.

Bis zum Sonntagabend hatte seine flämische Pflegefamilie mit allen rechtlichen Mitteln erfolglos versucht, die Abschiebung zu verhindern. Sie befürchtet, ihn erwarte in Kabul dasselbe Schicksal wie seinen Vater. Auch ein Schnellverfahren vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof brachte keine Wende.

Am Montagmorgen hatten vor dem Büro von Maggie de Block, der zuständigen Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung etwa 20 Personen gegen die Ausweisung des 20-jährigen Asylbewerbers aus Afghanistan protestiert. Die Aktion fand auf Initiative der Jungsozialisten statt. Sie erinnerten daran, dass vor einigen Wochen ein anderer perfekt integrierter junger Asylbewerber – Scott Manyo aus Kamerun – nach einer Entscheidung derselben Staatssekretärin wohl in Belgien bleiben durfte.

Auch am Brüsseler Flughafen Zaventem wurden Passagiere auf die Situation des jungen Afghanen aufmerksam gemacht? 7000 Personen hatten außerdem im sozialen Netzwerk Facebook gegen die Ausweisung protestiert.

Sein Flug geht über Amsterdam und Bahrein nach Kabul. Seine Unterstützer hoffen nun darauf, dass Abschiebung unterwegs doch noch verhindert werden kann. Bis zum Nachmittag hatte seine Pflegemutter noch keine Neuigkeiten von Parweiz.

De Block will sich Erpum-Projekt anschließen

Die für Asylfragen zuständige Staatssekretärin Maggie De Block (Foto) will, dass minderjährige Asylbewerber früher ausgewiesen werden können. Sie will sich dem sogenannten Erpum-Projekt anschließen, das bereits Schweden, Norwegen, die Niederlande und Großbritannien mittragen.

Erpum steht für European Return Platform for Unaccompanied Minors und ermöglicht die Abschiebung von Jugendlichen ab 16 Jahren. So soll sichergestellt werden, dass sie nicht von ihrem Heimatland entfremden.

Das Vorhaben hatte bereits Kritik vom Europäischen Flüchtlingsrat und der UNICEF geerntet, weil Kinder so in Kriegszonen zurückgeführt würden.