Fällt der Sommer ins Wasser?

Glaubt man der einen oder anderen Langzeitprognose, dann kann man getrost die Koffer packen. “Das Schmuddelwetter kann uns noch eine Zeit erhalten bleiben”, titelte etwa die Zeitung “Het Nieuwsblad” in ihrer Montagsausgabe.

“Der Sommer fiel dieses Jahr auf einen Dienstag…”. So mancher Daheimgebliebene findet das wahrscheinlich nicht mehr so lustig. Erst recht nicht die Hoteliers und Gastwirte an der belgischen Küste, denen das aktuelle Wetter sehr übel zusetzt.

Doch wie verlässlich sind solche Prognosen? Sind diese ersten Sommerwochen tatsächlich anormal? Besteht noch Hoffnung auf eine Wetterbesserung? Laut Fabian Debal, Meteorologe am Königlichen meteorologischen Institut, sei dieses wechselhafte Wetter eher typisch für unsere Region, die ja unter maritimem Einfluss stehe. Allerdings fehlen ohne Zweifel die längeren Sonnen-Perioden.

Jetstream

Verantwortlich für das wechselhafte Wetter ist angeblich ein Jetstream. Ein Jetstream ist ein Starkwind, der sich in den oberen Bereichen der Atmosphäre bildet. Dieser Jetstream hat sich weiter im Süden gebildet, als gemeinhin üblich, wie auch Fabian Debal erklärt.

Und genau das hat denn auch Het Nieuwsblad zu seiner Schlagzeile bewogen, die so manchen wohl die Koffer packen lässt: “Schmuddelwetter kann noch Wochen andauern“, schreibt das Blatt. Und das eben, weil besagter Jetstream dafür sorgt, dass das Wetter nicht aus seiner Endlosschleife herauskommt.

Von derlei vermeintlichen Langzeitprognosen hält der Wissenschaftler gar nichts. Was machen wir, sagt Fabian Debal vom KMI: “Wir nehmen Wetterdaten und stellen Simulationen an; das erlaube eine Vorhersage für die nächsten Stunden, allenfalls die nächsten Tage.” Wenn man diese Simulationen weitertreibe, auf Wochen anlege, dann bekomme man allenfalls Indizien. Wer sich darauf berufe, um langfristige Prognosen zu machen, der liefere keine seriösen Vorhersagen, der bewege sich eher im fifty-fifty-Bereich.

Küste verärgert über Wetterdienst

An der Küste ist die Tourismusbranche fuchsteufelswild, und zwar auf den privaten Wetterdienst “Meteo-België – Météo-Belgique”.

Dieser Wetterdienst hat einen Fortbestand des wechselhaften Wetters prognostiziert, und zwar bis in den August hinein. Die Folgen für den Tourismus an der Küste sind dramatisch: Scharenweise riefen die Leute an, um Reservierungen zu stornieren, beklagt ein Sprecher in der Zeitung „De Morgen“. Man erwäge gar gerichtliche Schritte gegen den Wetterdienst, heißt es etwa m Nobelküstenort Knokke.

Das königliche Meteorologische Institut macht prinzipiell keine Langzeitprognosen, weil die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Für alles, was wir derzeit erleben, gebe es eine Erklärung, sagt Fabian Debal. Im Auge behalten müsse man besagte Kaltluft-Zone im Nordatlantik. Wie lange die noch Bestand haben wird: unmöglich zu sagen. Im Umkehrschluss heiße das aber: die Situation könne jeder Zeit kippen, was denn auch unser Wetter beeinflussen dürfte.

Insofern die vielleicht aufbauende Info an alle Daheimgebliebenen: nichts ist verloren. Der Sommer ist noch nicht ein für allemal ins Wasser gefallen, alles ist und bleibt möglich… (Quelle:brf)