Anonymous-Hacker enttarnen Pädophile

Das internationale Hacher-Kollektiv Anonymous hat in den vergangenen Tagen hunderte Email- und IP-Adressen von Pädophilen veröffentlicht, die aktiv im Internet waren. Nach einem Bericht von Het Nieuwsblad sind darunter auch dutzende Belgier.
Anonymous eröffnet einen Feldzug gegen Padophile im Internet

"Wir, Anonymous, haben zum Ziel, diese Plage zu vermindern oder sogar ganz aus dem Internet zu räumen“, ist in einem You Tube-Video zu hören, dass die Hacker in diesem Zusammenhang veröffentlicht haben.

"Du bist auch Anonymous, du kannst auch helfen. Für das Wohlergehen unserer Anhänger, für das Wohlergehen der Menschheit und für unser eigenes Vergnügen wollen wir solche Foren aus dem Internet vertreiben und systematisch zerstören.“ Die Daten, die Anonymous an die Öffentlichkeit brachte, werden derzeit auch von der Computer Crime Unit der belgischen Bundespolizei analysiert.

Die Polizei erstattete Anzeige und jetzt ist es an der Staatsanwaltschaft zu beschließen, ob gegen die genannten Belgier ermittelt werden soll, falls diese strafbare Handlungen vorgenommen haben. Allerdings prüft die Staatsanwaltschaft auch, ob das Hacker-Kollektiv mit der Veröffentlichung von Adressen gegen geltendes Gesetz verstoßen hat.

Gesetzesverstöße?

Privacy-Spezialist Paul De Hert von der freien Universität Brüssel (VUB) sagte dazu gegenüber der VRT, dass das Veröffentlichen von privaten Angaben zu Personen im Internet gegen zwei Gesetze im belgischen Strafrecht verstößt: "Zuerst muss man von strafbaren Handlungen ausgehen, denn es besteht ein Gesetz zum Hacken und zur Freigabe von persönlichen Daten im Internet. Das bedeutet, dass zwei belgische Gesetze die Veröffentlichung von Anonymous verbieten. Ausnahmen dazu gibt es nur im Presserecht, doch davon kann man hier nicht unbedingt sprechen kann."

Child Focus ist zurückhaltend

Anonymous will also aktiv gegen Chatseiten von Kinderschändern und Pädophilen vorgehen. Doch der in Belgien aktive Kinderschutzbund Child Focus hat Bedenken bezüglich der Vorgehensweise von Anonymous.

Dirk Depover von Child Focus sagte dazu am Mittwochmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass man zum Schutz der Kinder gegen Rückfall von pädophilen Straftätern vorgehen müsse:

"Doch dazu sind nicht nur Sanktionen notwendig, sondern auch Behandlung und Kontrolle. Wenn man diese Menschen an den Schandpfahl prangert, dann wird diese Herangehensweise unmöglich. Resultat davon wird eher sein, dass man mehr Verbrechen und mehr Wiederholungstäter haben wird.“