Tihange 1 verliert kontaminiertes Wasser

Nach einer Meldung der frankophonen Tageszeitung la Libre Belgique verliert der Atomreaktor Tihange 1 seit Jahren kontaminiertes Wasser, das aus einem leckgeschlagenen Kühlbecken kommen soll. Den Behörden soll das bekannt sein.

Offenbar verliert ein Kühlbecken im Reaktor Tihange 1 des gleichnamigen Kernkraftwerks bei Huy in der Provinz Lüttich seit mindestens sechs Jahren kontaminiertes Wasser aus einem bisher nicht zu ortenden Leck in einem Kühlbecken, wie La Libre Belgique in ihrer Donnerstagsausgabe meldet.

Die beiden grünen Parteien Belgiens, Groen in Flandern und Ecolo im französisch- und deutschsprachigen Landesteil, reagieren empört auf diese Berichte und fordern eine Kontrolle durch die entsprechende Aufsichtsbehörde, die belgische Bundesagentur für Nuklearsicherheit (FANC). Sie verurteilen zudem scharf, dass sich die Behörden so wenig transparent gegenüber der Bevölkerung zeigen.

Groen und Ecolo erinnerten am Donnerstag an die Gefahren, die die Atomkraft birgt und stellen die Sicherheit von Tihange 1 in Frage. Vor dem Hintergrund, dass die belgische Bundesregierung unlängst beschlossen hat, die Laufzeit des eigentlich bis 2015 zu abzuschaltenden Reaktors für 10 Jahre zu verlängern, birgt die Meldung von La Libre Belgique einiges an Brisanz.

Der belgische Energiemulti und Betreiber des Kernkraftwerks von Tihange, Electrabel, spielt den Vorgang herunter. Dort ist die Rede von einem "Non-Event“. Das entweichende Kühlwasser sei nur leicht radioaktiv, werde aufgefangen und gerate nicht in die Außenwelt. Für das Kraftwerkspersonal, die Umwelt und die Bevölkerung bestehe keinerlei Gefahr.

Auch Greenpeace reagiert

Die internationale Umweltschutz-Organisation Greenpeace reagierte ebenfalls auf die Meldungen von La Libre Belgique zum Kühlwasserleck in Tihange 1 und nannte den Vorfall "sehr beunruhigend". Auslaufendes radioaktiv verunreinigtes Wasser könne nicht akzeptiert werden, hieß es in einer Stellungnahme von Greenpeace. Die Organisation fordert, Tihange 1, wie geplant, bis 2015 zu schließen.

Auch wenn Electrabel und deren Mutterkonzern GDF Suez und die belgische Nuklear-Kontrollbehörde FANC angeben, das Problem "im Griff zu haben", zeige der Vorgang Zeichen von einer veralteten Anlage, deren Folgen sehr risikoreich und nicht zu unterschätzen seien.