Mehr Ausländer als Belgier in der 1. Liga

Nach Berechnungen der flämischen Tageszeitung spielen in der ersten belgischen Fußball-Liga, die in der nächste Woche beginnt, 217 Spieler mit ausländischem Pass. Das sind demnach mehr Ausländer, als Belgier. Dieser Umstand hat mehrere Gründe - sportliche, aber auch kommerzielle.

Bei den 11 belgischen Erstligavereinen steigt die Zahl der ausländischen Fußballer im Vergleich zur vergangenen Saison. Einige Mannschaften fallen dabei besonders auf: Der SC Charleroi zum Beispiel hat 67 % Ausländer im Kader, Rekordmeister RSC Anderlecht 64 %, AA Gent 61 % und Standard Lüttich 59 %.

Das es auch anders geht, zeigen Cercle Brügge mit nur 22 % Ausländern und OHL Leuven mit nur 14 % im Kader. Für den hohen Anteil an ausländischen Spielern sorgt auch der Umstand, dass STVV Sint-Truiden und Westerlo am Ende der vergangenen Saison abgestiegen sind. Beide Vereine zählten immer gerne auf Spieler aus der eigenen Jugend. Die Wahl für Spieler, die aus dem Ausland kommen, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Zum einen sind sie billiger als belgische Spieler und zum anderen werden junge talentierte Fußballer aus Belgien oft früh von finanziell kräftigen ausländischen Vereinen gekauft - siehe FC Chelsea mit seinen acht Belgiern im Kader.

Die belgische Jupiler Pro League hatte Versucht, Spieler aus dem eigenen Land zu fördern und zu promoten, doch nicht unbedingt mit durchschlagendem Erfolg. Mittlerweile müssen 6 von 18 für ein Erstligaspiel gemeldete Kicker in Belgien ausgebildet sein. Doch viele Vereine nutzen Hintertürchen. Eine davon ist, dass in Belgien ausgebildete Spieler nicht unbedingt die belgische Nationalität haben müssen. Immerhin kommen sie dann meist aus der eigenen Jugend.

"Belgische Spieler im Ausland begehrt"

Ludwig Sneyers (Foto), der CEO der Pro League, stellt fest, dass in den vergangenen Jahren rund die Hälfte der in Belgien aktiven Spieler aus dem eigenen Land kamen und mit diesem fifty-fifty-Proporz konnte man sich bisher anfreunden. Doch langfristig konnte das keine Lösung sein: "Die Clubs investieren sehr wohl in die eigene Jugend, doch ausländische Spitzenvereine locken unsere größten Talente schon im jungen Alter von hier weg.“

Zudem, so Sneyers weiter, zeigen unsere Nationalspieler, die Roten Teufel, bei ihren Mannschaften in ausländischen Spitzenligen auffallend gute Leistungen und sind deshalb auf dem Transfermarkt begehrt. Dass dann die belgischen Clubs wohl oder übel immer öfter auf günstigere Spieler aus dem Ausland zurückgreifen und dies auch oft müssen, liegt auf der Hand.

Die Pro League sucht weiter nach Wegen und Möglichkeiten, zumindest hier ausgebildete Spieler zu suchen, zu fördern und für die hiesigen Vereine attraktiv zu machen. So müssen in einem Kader von 25 Spielern acht aus der eigenen oder aus der Jugend von anderen Clubs kommen. Dies und die oben genannte Proportion von aufgestellten in- und ausländischen Spielern auf den Meldeblättern pro Erstligabegegnung sind aber bisher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.