Olympia 2012 - Wer hat Medaillenchancen?

Die meisten der 115 Athleten der belgischen Delegation in London gehören, haben kaum Chancen auf Edelmetall. Doch in einige von ihnen werden hohe Erwartungen gesteckt, denn oft erwies sich, dass auch belgische Spitzensportler Gold holen können.

In der Riege der belgischen Sportler, von denen man im eigenen Land erhofft, dass sie in London bei den Olympischen Sommerspielen Bronze, Silber oder gar Gold holen, sind einige, denen das bereits gelungen ist. Andere zeigten Höchstleistungen auf Europa- oder Weltmeisterschaftsebene, wo sie Edelmetall holten.

Tom Boonen

Große Hoffnungen werden zum Beispiel in den Radprofi Tom Boonen gesetzt, denn er richtete seine bisherigen Planungen voll und ganz auf Olympia aus. Zu Gunsten von London verzichtete Boonen sogar auf die Teilnahme an der Tour de France. Boonen gab an, fast alles, was ein Radprofi seiner Qualifikation gewinnen kann, bereits gewonnen zu haben. Doch olympisches Gold fehle ihm noch in der Sammlung. Und der schnelle Streckenverlauf mit Ziel am Buckingham Palast in London scheint dem amtierenden belgischen Straßenradmeister wie auf den Leib geschrieben zu sein.

Tia Hellebaut

Die belgische Hochspringerin Tia Hellebaut ist amtierende olympische Titelverteidigerin und im Hinblick auf die Spiele in London hat sie ihr zweites Comeback vorbereitet und darauf zugeschnitten. Sie verzichtete sogar auf die Teilnahme an der EM in Helsinki, um weiter für Olympia zu trainieren. Die Latte liegt im wahrsten Sinne des Wortes hoch, denn so ganz fit ist sie noch nicht. Allerdings sprang sie beim Athletikmeeting im marokkanischen Rabat auf hoffnungsvolle 1,96 m. Damit steht Hellebaut, die übrigens beim Einmarsch der Athleten in London die belgische Fahne tragen wird, auf dem 8. Platz in der aktuellen Weltrangliste.

Die Gebrüder Borlée

Die Zwillinge Jonathan und Kevin Borlée haben in London großes vor. Die viermaligen Olympiasieger auf den 400 m und mit der 4X100 m-Staffel hatten sich für London einen Lehrmeister ausgesucht und das war nicht der erstbeste, denn man finden kann, sondern kein Geringerer als Michael Johnson. Sowohl Kevin, als auch Jonathan wollen in London eine Medaille holen. Mit der Goldmedaille in der Staffel bei der EM in Helsinki vor einigen Tagen haben sie ihre Ansprüche deutlich unterstrichen. Doch auch in der Einzeldisziplin sind die Erwartungen in die Borlées hoch - auch bei den belgischen Fans.

Philippe Le Jeune

Der Springreiter Philippe Le Jeune, der beim CHIO in Aachen 2010 Gold holte und im gleichen Jahr auch in Kentucky Weltmeister wurde, hat auf jeden Fall olympische Ambitionen. Le Jeune sagte dazu ganz einfach, dass er derzeit das Gesicht des belgischen Reitsports sei und das er diese Rolle in London bestätigen und verteidigen wolle. Der 52jâhrige, der mit seinem Pferd Vigo d’Arsouille für olympisches Edelmetall kämpfen will, ist zum ersten Mal bei Olympischen Sommerspielen. Bisher, so Le Jeune, sei jedes Mal etwas dazwischen gekommen.

Evi Van Acker

Auch die Seglerin Evi Van Acker verzichtete auf die Teilnahme an einem wichtigen Wettbewerb, um sich auf Olympia in London vorbereiten zu können. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland trat sie nicht an, um sich anderweitig adäquat vorbereiten zu können. Van Acker, amtierende Europameisterin und Vizeweltmeisterin in der Klasse Laser Radial, ist davon überzeugt, in London eine Medaillenchance zu haben. Wir sind gespannt. Bei der Skandia Sail for Gold im Juni ist sie 6. Geworden und sie hat bereits in den olympischen Gewässern in der britischen Hauptstadt trainiert.

Die alten Recken

Einige belgische Spitzensportler haben bereits olympische Erfahrung und entsprechende Turniere gewonnen und es steht die Frage im Raum, was sie dieses Mal in London noch bringen können.

Kurz vor ihrem endgültigen Abschied von Profitennis will Kim Clijsters (Foto) zum Beispiel noch einmal versuchen, olympisches Edelmetall zu holen. Allerdings hat sie immer noch Probleme mit ihrer derzeitigen Hüft- und Bauchmuskelverletzung und ist demnach nicht 100%ig fit.

Ob Tischtennisspieler Jean-Michel Saive, der 43jâhrige siebenfache Olympiateilnehmer einen Titel holen kann, ist eher fraglich. Der vielfache Olympia-, Welt- und Europameister gehört längst nicht mehr zur Weltspitze. Aber, er hofft eine Überraschung hinlegen zu können.

Mountainbiker Sven Nys, der in dieser Hinsicht auch fast alles gewonnen hat, was es in dieser Disziplin zu holen gibt, ist zum zweiten Mal bei Olympia dabei. Doch der 35jâhrige hat sich nur ganz knapp für London qualifizieren können. Bei der EM in Moskau war er als 25. Gestartet und als 10. Ins Ziel gekommen. Gut für eine knappe Qualifikation.

Sprinterin Elodie Ouedraogo war in Peking vor vier Jahren noch dabei, als die 4X100 m-Staffel der Frauen Silber gewann. Doch für London hat sich die Staffel nicht qualifizieren können. Jetzt lâuft sie die 400 m-Hürden. Was auch immer geschieht bei Olympia, Ouedraogo will an ihren Abschiedsplänen nichts mehr ändern. Nach dem Memorial Van Damme am 7. September in Brüssel hängt sie ihre Laufschuhe an den Nagel.

Hoffnungsvoller Nachwuchs

Die Judoka Charline Van Snick (Foto), die wie David Goffin aus Lüttich kommt, ist mit ihren erst 21 Jahren bereits Vierte in der Weltrangliste unter 48 kg. Sie hat einen ganz eigenen aggressiven Kampfstil, der ihr bei der letzten Europameisterschaft eine Silbermedaille einbrachte. Ihre erfahrenen Olympia-Mannschaftskollegen Ilse Heylen (-52 kg) und Dirk Van Tichelt (-73 kg) stellen ihr ein gutes Zeugnis aus und sind der Ansicht, dass sie in London Chancen auf Edelmetall hat.

Der junge Lütticher Tennisprofi David Goffin gilt als große Hoffnung. Der 21jährige wurde vom belgischen olympischen Komitee für die Spiele nominiert, nachdem er in Roland Garros und in Wimbledon so gute Leistungen zeigte. In Paris scheiterte er erst im Achtelfinale gegen Roger Federer und in Wimbledon, wo bei den Spielen übrigens auch gespielt wird, bestätigte er das Vertrauen, dass in ihn gesetzt wurde.