Dutroux‘ Exfrau kann vorzeitig freikommen

Michelle Martin, die Ex-Ehefrau des Kinderschänders Marc Dutroux, wird vorzeitig aus der Haft entlassen, wie das zuständige Gericht in Mons (Provinz Hennegau) am Dienstagmorgen beschlossen hat. Martin wurde 2004 zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Michelle Martin wurde 1996 unter dem Verdacht der Mittäterschaft an den Straftaten des Kinderschänders Marc Dutroux und dessen Helfershelfern verhaftet.

2004 wurde sie zu 30 Jahren Haft verurteilt, weil sie der Freiheitsberaubung der Mädchen Laetitia Delhez, Sabine Dardenne, An Marchal, Eefje Lambrecks, Mélissa Russo und Julie Lejeune für schuldig befunden wurde. Im Fall der beiden letzteren Mädchen kam damals noch erschwerend das Element Folterung hinzu. Martin hatte diese Jugendlichen wissentlich in ihren Verließ verhungern lassen, was den Tod dieser Mädchen zur Folge hatte.

Da sie vor ihrer Verurteilung 2004 bereits acht Jahre lang in Untersuchungshaft gesessen hatte, kam sie juristisch gesehen schon mehrmals in Betracht, vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden. Viermal wurde ein entsprechender Antrag ihrer Anwältin abgelehnt, unter anderen aufgrund von Bedenken der Angehörigen der Opfer, die in einem solchen Fall immer angehört werden müssen.

Ihrem nunmehr fünften Antrag wurde jetzt von Gericht in Mons zugestimmt, nach dem ihr vorletztes Ansinnen letztes Jahr noch aufgeschoben wurde, als ein französisches Kloster, das sie aufnehmen wollte, unter dem Druck der öffentlichen Meinung beschlossen hatte, Martin doch nicht aufzunehmen.

Jetzt soll sie in einem belgischen Kloster ein Dach über dem Kopf finden. Dies könnte das Klarissenkloster von Malonne in der Provinz Namür sein. Das Ziel, Nonne zu werden, soll Martin nicht haben. Die Staatsanwaltschaft kann die vorzeitige Freilassung Martins noch zurückziehen. Der Generalstaatsanwalt von Mons legte bereits Berufung ein. Der Kassationshof hat jetzt 30 Tage Zeit, das Urteil von Mons zu prüfen.

Opferfamilien reagieren geschockt

Die Angehörigen der Opfer von Marc Dutroux, Michelle Martin und Konsorten reagierten am Dienstag wütend und enttäuscht auf die Nachricht, dass Martin vorzeitig freigelassen werden kann. Einige von ihnen beraten sich mit ihren Anwälten, ob sie Einspruch erheben sollen, andere haben sich noch nicht dazu geäußert, wie und ob sie juristisch auf den Vorgang reagieren sollen.

Die Betroffenen wurden in diesem Vorgang nicht angehört und im Fall der Familie Leujeune, die Eltern von Julie, steht der Bannkreis von 100 km Entfernung des Aufenthalsortes eines vorzeitig Entlassenen zu dem der Opfer zur Diskussion. Malonne ist vom Wohnort der Lejeunes nur knapp 60 km entfernt.

Der Vorsitzende der frankophonen Liberalen MR, Charles Michel, hat eine Gesetzesreform und die Einführung von effektiv abzusitzenden und Strafen ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung gefordert. Es sei essentiell, dass eine im Urteil verhängte Strafe und die tatsächlich verbüßte Haft besser in Einklang miteinander gebracht würden. Damit entspricht Michel im Wesentlichen der Ansicht der meisten Belgiern zu solchen Themen.

Auch die flämischen Nationaldemokraten der N-VA äußerten sich ähnlich und forderten eine entsprechende Gesetzesänderung.