Die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

In der letzten Zeit nimmt die Gewalt gegen Polizisten in Belgien weiter zu. In Brüssel scheint jeder Respekt vor Polizeibeamten verschwunden zu sein. Die Gewerkschaften reagieren erbost, denn die Täter sind kurz nach ihrer Verhaftung wieder auf freiem Fuß.

Die Gewerkschaften sind sauer und zwar auf alle: Auf die Politik, auf die Justiz, auf die Gesellschaft und auch auf die Verwaltungen. Das hat gute Gründe, denn der Respekt vor der Polizei lasse zu wünschen über. Vor allem im Großraum der belgischen Hauptstadt Brüssel steigt die Aggressivität gegenüber Polizisten. Nicht selten werden sie bei Einsätzen behindert oder provoziert. Mittlerweile werden sie sogar in Hinterhalte gelockt und zusammengeschlagen, nur weil sie eben Polizisten sind.

In einer Sendung des frankophonen öffentlich-rechtlichen Rundfunks RTBF ließ Polizeigewerkschaftler Vincent Gilles von der liberalen Polizeigewerkschaft SLFP (22.000 Mitglieder) seinem Unmut freien Lauf: "Es gehört nicht zum Job, dass man sich zusammenschlagen lassen muss, nur weil man Polizist ist. Und auch Bemerkungen im Sinne von 'dann müsse man eben nicht zur Polizei gehen‘ von Seiten der Bürger hören wir viel zu oft.“

In den letzten Tagen hatte es wiederholt Angriffe gegen die Polizei gegeben. So banal wie die Anlässe waren - reine Personenkontrollen - so gewalttätig waren die Folgen: Drei im Einsatz verletzte Polizisten, die wochenlang arbeitsunfähig sein werden. Doch die dabei verhafteten Täter liefen nur Stunden danach auf Anlass der zuständigen Justiz wieder frei herum und machten sich über die Beamten lustig. Dass man so keinen Respekt erzwingen kann, liegt auf der Hand.

Mittlerweile geht die Angst unter den Brüsseler Polizisten um, dass die jugendlichen Banden versuchen werden, rechtsfreie Räume zu schaffen, in die sich die Polizei aus Angst um Leib und Leben oder aus reiner Vorsicht nicht mehr hineintrauen werde. So mag es nicht verwundern, dass die Polizeigewerkschaften reagieren und mit Streik drohen.

Dieser Alarmschrei richtet sich an alle Verantwortlichen: An Politik und Justiz, aber auch an die Verwaltungen und die Bürger. Warum eigentlich an die Verwaltungen? Ganz einfach: Ein belgischer Polizist, der während des Einsatzes angefahren oder verprügelt wird und dabei ein gewisses Maß an Verletzungen erleidet, ist ab einem bestimmten Moment medizinisch und versicherungstechnisch auf sich selbst gestellt…