Orden nimmt Dutroux-Komplizin doch auf

Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des Kinderschänders Marc Dutroux, wird nun voraussichtlich doch von den Ordensschwestern im Kloster von Malonne aufgenommen. Am Mittwoch hatten die Eltern der ermordeten An Marchal das Kloster besucht und versucht, die Schwestern umzustimmen.

Nach ihrem Besuch bei den Ordensschwestern sagten die Eltern (Foto) der ermordeten An Marchal, dass die Schwestern erneut über die Unterbringung Martins nachdenken wollten. Paul Marchal hoffte, dass die Schwestern alles noch einmal überdenken würden.

In einem persönlichen Gespräch wollten sie den Nonnen begreiflich machen, wer Michelle Martin tatsächlich sei und dass sie ihr Kind und drei weitere auf dem Gewissen habe.

Ziehen die Klarissen ihre Zusage zurück, dürfte Michelle Martin das Gefängnis wohl kaum verlassen. Sagen die Nonnen also nein, kann Martin keinen so genannten Resozialisierungsplan vorlegen und wird die frühzeitige Entlassung aus dem Gefängnis erst gar nicht möglich.

Die Ordensschwestern wollen Martin jetzt doch aufnehmen. Noch am selben Abend ließ die Bischofskonferenz wissen, dass die Schwestern bei ihrer Entscheidung blieben. Der Sprecher der Bischöfe,Tommy Scholtes, hat dies an diesem Donnerstagmorgen bestätigt. "Ich habe gestern auf verschiedenen Websites gesehen, dass die Schwestern ihre Meinung geändert hätten. Ich habe das nachgeprüft. Und gestern Abend um 20 Uhr habe ich dann eine Mail von den Schwestern bekommen, in der sie sagten, dass sie an ihrer Entscheidung festhalten, die sie am 31. Juli genommen haben."

Marchal und seine Frau sind enttäuscht.

Ende August fällt das Oberste Gericht des Landes, der Kassationshof, in diesem Fall ein Urteil. Vergangene Woche hatte das Strafvollzugsgericht von Mons der frühzeitigen Haftentlassung bereits zugestimmt. Die Generalstaatsanwaltschaft und die Eltern der ermordeten Kinder waren dagegen in Berufung gegangen.

Steckt mehr dahinter?

Jean Lambrecks, der Vater des ermordeten Mädchens Eefje, reagiert scharf auf die Nachricht, dass die Nonnen in Malonne Michelle Martin doch aufnehmen wollen.

"Ich war zunächst zufrieden, dass die Schwestern ihre Entscheidung überdenken wollten. Das ist tadelnswert. Hier steckt doch mehr dahinter." Lambrecks will das nicht so hinnehmen. "Wir werden versuchen, noch mehr zu machen, um dagegen vor zu gehen."

Paul Marchal findet, dass der Entschluss ungewöhnlich schnell kam und über die Bischöfe kommuniziert wurde. Er begreift den schnellen Entschluss der Schwestern nicht. "Umso mehr, weil die Oberin mich gebeten hat, ihr Zeit zu geben, um die Mitschwestern zu informieren und darüber zu diskutieren und bevor sie zu einem Entschluss kommen würden, darüber nachzudenken. Sie sagte mir, dass ich heute oder morgen keine Antwort erwarten dürfe und sie sagte, dass es etwas dauern könne."

Er hat inzwischen vergebens versucht, die betreffende Nonne zu kontaktieren. Er findet es zudem "seltsam", dass die Kommunikation nun plötzlich über die Bischöfe erfolge. "Entweder ist das alles nur Schauspiel oder es wird Druck ausgeübt. Ich fühle mich betrogen. Und sollten den Schwestern dann doch die Hände gebunden sein, empfinde ich das, als würde Druck ausgeübt. Aber woher kommt der Druck dann?"

Michelle Martin ist zu 30 Jahren Gefängnis wegen Freiheitsentzuges von Laetitia Delhez, Sabine Dardenne, An Marchal, Eefje Lambrecks, Mélissa Russo und Julie Lejeune verurteilt. Für die letzten beiden Mädchen kam noch erschwerend "Folter" hinzu (Martin ließ die Kinder unter anderem verhungern), die zum Tod der Mädchen führte.

Ein Neffe von Martin sagte in der Illustrierten Paris Match, dass die Frau zu keinem Zeitpunkt Reue gezeigt habe. Außerdem hätte Martin schon seit Jahren Kontakt zu den Nonnen in Malonne gehalten, die sogar einige persönliche Dinge von ihr in Gewahrsam hätten.