Nur 3 Medaillen für Belgien! Und jetzt?

Es ist bei den Spielen in London für Belgien bei der Silbermedaille von Lionel Cox im Schießen und den beiden Bronzemedaillen von Judoka Charline Van Snick und Laser Radial-Seglerin Evi Van Acker geblieben. Und bei einem Kater bei Belgiens Sportfunktionären.
Belgiens Medaillengewinner: Evi Van Acker, Lionel Cox und Charline Van Snick

Die Bilanz für den belgischen Spitzensport nach den Olympischen Spielen in London fällt mager aus: Drei Medaillen, davon keine goldene, und nur eine Handvoll Olympische Diplome für Sportler und Mannschaften, die eine Platzierung unter den ersten erzielen konnten - das Minimalziel des Olympischen Komitees in Brüssel.

Der Traum von einer Goldmedaille oder von mehr Medaillen, als bei den Spielen in Atlanta vor acht Jahren, als die Belgier sechsmal Edelmetall holen konnten, wurde eher zum Albtraum. Nun steht die Frage im Raum: Woran hat’s gelegen? Eddy De Smet, der Delegationsleiter des BOIC, gab in einer ersten Analyse nach den Spielen in London zu erkennen, dass die Talente vorhanden seien. Doch dass die größte belgische Delegation seit 1952 Anno 2012 eine so kleine Ausbeute mit nach Hause bringen würde, stimmt schon nachdenklich.

Wunde Punkte liegen mehrere vor. Zum einen sind und bleiben die meisten belgischen Sportler Amateure. Bestes Beispiel: Sportschütze und Silbermedaillengewinner Lionel Cox arbeitet in Brüssel bei der Arbeitsinspektion und hat seine Sommerferien für Olympia "geopfert“.

Selbst Profisportler mit einem Vertrag beim einen oder anderen regionalen Sportbund (Bloso in Flandern/Adeps in Wallonien), werden davon nicht reich, es sei denn, sie sehen gut aus und können hoch dotierte Werbeverträge abschließen.

Zum anderen, und hier schließt sich der Kreis, fehlt es in Belgien an einer zentralen und ausreichend finanzierten Sportförderung mit entsprechender Infrastruktur und entsprechenden Rahmenbedingungen. Viel Kritik betrifft zudem die Tatsache, dass der Sport in Belgien föderalisiert ist und dass zu viele Instanzen mitreden und mitbestimmen, mit entsprechenden Wiedersprüchen und gegenseitigen Abneigungen. Jetzt schauen alle Augen in Richtung Rio De Janeiro, wo die nächsten Spiele in vier Jahren stattfinden. Beim Olympischen Komitee in Belgien hieß es dazu, man habe eine so große Delegation nach London entsendet (115 Athleten), um diese, und hier vor allem den Nachwuchs, auf 2016 vorzubereiten…

Die frankophone Tageszeitung Le Soir bringt eigentlich die Kritik der Medien und der Welt des Sports nach dem belgischen Olympia-Abenteuer nüchtern auf den Punkt und titelt am Montag: "Wenn man Medaillen will, dann muss man investieren!".

Die Resultate

Allerdings haben die belgischen Sportler insgesamt recht gute Ergebnisse hingelegt. Mehrere von ihnen, genau 14, haben das Ziel des Belgischen Olympischen Komitees (BOIC), möglichst unter die besten Acht zu kommen, erreicht.

Herausragend dabei waren mit Sicherheit, die Hockey-Herren auf Platz 5, der Zehnkämpfer Hans Van Alphen als Vierter und die junge Bahnradfahrerin Jolien D’Hoore, die hinter der Weltspitze im Omnium Gesamtfünfte wurde.

Pierre-Olivier Beckers, der Vorsitzende des Belgischen Olympischen und Interföderalen Komitees ist denn auch zufrieden: "Die Belgier können London erhobenen Hauptes verlassen.“

Medaillen

- Lionel Cox: Silber beim Karabinerschießen, 50 m-Distanz, liegend
- Evi Van Acker: Bronze bei den Laser Radial-Seglerinnen
- Charline Van Snick: Bronze bei den Judodamen bis 48 kg

Olympische Diplome

- Hans Van Alphen: 4. im Zehnkampf
- Kevin und Jonathan Borlée: 5. bzw. 6. im 400 m-Sprint
- Jolien D’Hoore: 5. im Omnium/Bahnradfahren
- Tia Hellebaut: 5. im Hochsprung
- Ilse Heylen: 5. bei den Judodamen bis 52 kg
- Hockey: 5. Rang für die Mannschaft der Herren
- Kim Clijsters: Viertelfinale Tennis
- Sprint: 6. Rang für 4x400 m-Staffel (Kevin und Jonathan Borlée, Antoine Gillet, Nils Duerlinck, Michael Bultheel)
- Jurgen Roelandts: 7. Straßenradrennen
- Schwimmen: 8. Rang für die 4x100 m-Staffel (Jasper Aerents, Dieter Dekoninck, Pieter Timmers, Emmanuel Vanluche)