Neue Klage gegen Ex-Bischof Vangheluwe

Gegen den früheren Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, ist eine neue Klagen eingegangen. Ein heute 30 Jahre alter Mann, der in einem katholischen Waisenhaus aufwuchs, soll von dem Geistlichen mehrmals sexuell Missbraucht worden sein.
Ex-Bischof Roger Vangheluwe

Wie jetzt bekannt wurde, hat der Betroffene bereits Mitte Juli Klage gegen den Ex-Bischof eingereicht. Nach Angaben seines Anwalts Walter Van Steenbrugge, der die meisten der Opfer von Vangheluwe vertritt, wurde der Kläger sowohl im Waisenhaus, als auch in einem katholischen Ferienheim belästigt. Der Mann sei schwer psychisch gestört, auf die schiefe Bahn geraten und sitze deswegen derzeit im Gefängnis. Inzwischen stellt sich die Frage, ob auch in diesem Fall eine Verjährung der Fakten vorliegt. Anwalt Van Steenbrugge ist nicht so sicher davon.

"Wenn sich diese Fakten als bewiesen erweisen, dann sind wir sehr nahe der Nicht-Verjährung des Falls. Und dann kann man auch die dem zuvor begangenen Fakten in Betracht ziehen, denn diese haben natürlich mit der Klage zu tun. Bei einer Serie von Vergehen muss man von den jüngsten Fällen ausgehen. Wenn das also nicht verjährt ist, können die vorherigen Vergehens-Perioden darin mit einbezogen werden. Doch dazu sind die entsprechenden Ermittlungen von großer Wichtigkeit“, sagte Vansteenbrugge am Dienstagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion.

Auch im Bereich des kirchlichen Rechts ist der Fall möglicheweise nicht verjährt, die der Kirchenjurist Rik Torfs erklärte: "Es ist nicht sicher, dass die Fakten verjährt sind, wenn sie bewiesen werden können, weil im kirchlichen Recht ist der Verjährungstermin 2012 auf 20 Jahre nach der Volljährigkeit, also dem 18. Geburtstag der Betroffenen angepasst worden. Es könnte also sein, dass der Vorgang nicht verjährt ist. In diesem Fall kann er (Ex-Bischof Vangheluwe, A.d.R.) einige ernsthafte Strafen erhalten, bis hin zur Säkularisierung, der Umwandlung seines Statuts in den Laienstand. Das ist für einen Priester, und ganz bestimmt für einen Bischof, eine besonders schwere Strafe."

Inzwischen haben die Nonnen des Klosters und Waisenhauses, in dem die Vorgänge teilweise stattgefunden haben, ihre Hände in Unschuld gewaschen. Sie geben in einer ersten Reaktion an, dass sie niemals Klagen über Missbrauch empfangen haben. Der Kläger gab über seinen Anwalt an, er habe die Belästigungen von Seiten des Bischofs gemeldet und sei daraufhin vier Monate lang in sein Zimmer eingesperrt worden, weil er "Lügen verbreitet habe.“

Der frühere Bischof Roger Vangheluwe war am 23. April 2010 von seinem Amt zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, dass er Jahrelang einen Neffen sexuell missbraucht hatte. Zu diesem Vorwurf kamen später noch weitere Anklagen hinzu. Vangheluwe hatte versucht, sich bei seinem ersten Opfer zu entschuldigen. Weitere Vorwürfe wies er unter anderem in einem umstrittenen Interview bei einem flämischen Privatsender zurück. Eine Zeit lang hatte er sich in einem französischen Kloster aufgehalten, dass er jedoch verlassen musste. Derzeit lebt er untergetaucht an einem unbekannten Aufenthaltsort.