Seemannskirchen: Eine Adresse für Menschen

Seemannskirchen oder Seemannsmissionen sind weitaus mehr, als nur Anlaufstellen für Seeleute auf der Suche nach Hilfe. Sie sind Treffpunkte und soziale Kontaktstelle für jeden. In der Hafenstadt Antwerpen finden sich mehrere solcher Einrichtungen.
Die Norwegische Seemaanskirche in Antwerpen

Italien-Boulevard (Italiëlei), Ecke Schwedenstraße (Zwedenstraat). Im Hintergrund die Vertretung eines französischen Autobauers und ständig rumpeln Lastwagen aus aller Herren Länder vorbei. Ein Blick nach oben und man erkennt die schwedische und die norwegische Flagge, die im Wind flattern.

Ziemlich international das Ganze. Ist es auch, denn wir sind in der Hafenstadt Antwerpen, genauer vor der Norwegischen Seemannskirche. Einer breiteren Öffentlichkeit in Flandern wurde sie vor kurzem bekannt, als ein Kamerateam des flämischen Rundfunks für die TV-Nachrichten von einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Anschläge von Oslo und Utoya berichtete. Norweger aus dem ganzen Land waren hier und auch einige Antwerpener. Das macht neugierig.

Die Norwegische Seemannskirche in Antwerpen ist schon anderthalb Jahrhunderte alt und wurde gegründet, um norwegische Seeleute auf den rechten Pfad zu bringen, denn sie galten gemeinhin als Rauf- und Trunkenbolde und das Hauptquartier der norwegischen Seemannsmission schichte einen Vertreter in die Stadt, um hier nach dem Rechten zu sehen und um eine evangelisch-lutherische Kirche zu gründen.

Das gelang und in der Antwerpener Schwedenstraße wurde 1870 die Norwegische Seemannskirche eröffnet, die im Laufe der Jahre erweitert wurde, als die Mission die Stallungen der alten Pferdetram der Scheldemetropole ausbauen konnte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus von einer deutschen V1 getroffen und nur wenig blieb übrig.

Doch sie wurde wieder aufgebaut und ist tatsächlich heute die älteste Seemannskirche der Welt. Mittlerweile ist sie allerdings mehr als "nur“ eine Kirche. Eigentlich ist die eine Art Sozial- und Familienzentrum für die rund 1.500 Norweger, die Belgien ihr zu Hause nennen und die Schweden haben sich 2004 angeschlossen. Beide Sprachen verstehen sich gegenseitig und so kommen viele der rund 500 alleine in Antwerpen lebenden Skandinavier gerne hierher. Und Skandinavien-Fans können hier sogar ihre Norwegisch- oder Schwedisch-Kenntnisse auffrischen.

Auch viele Angehörige von evangelisch-protestantischen Glaubensbewegungen treffen sich mittlerweile hier zu Gottesdiensten und um zu beten. Doch ob die Norwegische Seemannskirche eine große Zukunft hat, bleibt abzuwarten. Die Schweden haben bereits dicht gemacht und die Finnen wollen ihr Haus, das ebenfalls am Italien-Boulevard liegt, verkaufen. Und die Unterhaltskosten an der Schwedenstraße, Ecke Italienboulevard steigen auch weiter und die Kirche durchgehend zu heizen ist auch zunehmend teuer…

Norwegische Seemannskirche, Italiëlei 8, 2000 Antwerpen

Das "Stella Maris"

Zwischen der norwegischen Seemannskirche und dem Antwerpener Rooseveldplein befindet sich am Italienboulevard eine weitere Anlaufstelle für Seeleute aller Art.

"The Antwerp Seafarers Centre“, ein eher anonymeres graues und farbloses Gebäude, wird vom Apostolat zur See betrieben und bietet mehreren Einrichtungen und Glaubensgemeinschaften Räumlichkeiten an: Die römisch-katholische Apostolaris Maris, die presbyterianische British & International Sailors‘ Society, die lutherische Deutsche Seemannsmission und die anglikanische "Mission to Seafarers“.

Im früheren Gebäude dieser Gesellschaft ist heute das recht neue Restaurant "Marcel“ unweit des Museums am Strom, MAS, eingerichtet.

Das "Stella Maris“ ist heute eine ökumenische und vielsprachige Einrichtung, in der sich die oben genannten vier Kirchen und Missionen zusammengefasst haben. Dieses Apostolat für Seeleute hat sich zum Prinzip gemacht, jedem Seemann zu helfen, wo auch immer er herkommt und welchen Glaubens, Rasse oder Hautfarbe er ist. Hier zählt der Mensch und der Seefahrer und wenn jemand in Antwerpen ankert, dann kann er hierherkommen.

Hier wird ihm religiöser Beistand geboten, auch wenn er keiner christlichen Kirche angehört. Das Haus bietet Hilfe beim Briefeschreiben und beim Kontakt zu Heimat und Familie und man kann sich entspannen, z.B. vor dem Fernseher oder beim Sport und ein kleiner Laden im Haus bietet das Allernötigste zu kleinen Preisen, genau, wie die Kneipe, in der man für kleines Geld essen und trinken kann.

"The Antwerp Seafarers Centre“, Italiëlei 72, 2000 Antwerpen