"Problem in Doel 3 ist ein weltweites Problem"

Bei den Rissen in einer Kesselwand im Atommeiler Doel 3 handelt es sich vermutlich um einen Konstruktionsfehler. Das Problem wird sich weltweit bemerkbar machen, sagt Willy De Roovere, Generaldirektor der Bundesanstalt für die Atomaufsicht.

"Die Risse", so De Roovere, "verlaufen parallel zur Oberfläche. Wir haben sie jetzt entdeckt und sind verunsichert, weil es derart viele sind". 

"Nach ihrer Konstruktion sind die Reaktorkessel kontrolliert und den Normen entsprechend für gut befunden worden", so De Roovere in einem Interview mit der Zeitung De Morgen: "Heute kann man sich fragen, ob die internationalen Normen streng genug sind. Eine wichtige Frage. (...) Aber dazu möchte ich mich nicht äußern."

Gegenüber der VRT-Radioredaktion war De Roovere präziser: "Dies könnte bedeuten, dass wir, insofern sich diese Entwicklung fortsetzt, schlussfolgern müssen, dass die aktuellen Normen nicht ausreichen."

Über 350 Atommeiler weltweit betroffen?

Sollten sich diese Befürchtungen bestätigen, drohen ernsthafte Probleme. "Bereits jetzt nimmt dieses Problem weltweite Ausmaße an. (...) Betroffen sind alle Atommeiler, die laut des gleichen Konstruktionsverfahrens im gleichen Zeitraum errichtet wurden.

Laut De Morgen wären 350 Atommeiler weltweit betroffen.

Auch in Tihange 2 (Foto) sind diese Probleme nicht auszuschließen. Der Kessel stammt aus der gleichen Zeit und wurde vom gleichen Hersteller, Rotterdam Droogdok Maatschappij, geliefert. De Roovere: "Ich wäre überrascht, wenn es dort keine Probleme gäbe."

Kontrollen

Bereits in den 80er Jahren waren die empfindlichen Stellen der Atommeiler kontrolliert worden. Es konnten damals aber keine Risse oder sonstige Abweichungen festgestellt werden.

Belgien ließ nach 2005, nachdem in Frankreich erstmals ein Atommeiler vollständig kontrolliert worden waren, seine Atommeiler ganzheitlich zu überprüfen. Auch bei dieser Überprüfung konnten keine Beschädigungen festgestellt werden.

Diese sind nun im Rahmen eines normalen Kontrollvorgangs entdeckt worden.