Strom nach Aus für Meiler nicht teurer?

Wenn es nach Wirtschafts- und Verbraucherschutz-Minister Johan Vande Lanotte (SP.A) geht, dann steigen die Stromrechnungen nach einem eventuellen Abschalten von einem oder zwei Kernreaktoren in Belgien nicht.

Bundeswirtschafts- und Vverbraucherschutzminister Johan Vande Lanotte (SP.A) ist der Ansicht, dass die Strompreise in Belgien nicht steigen müssen, wenn einer oder zwei Atommeiler vorzeitig abgeschaltet werden müssen. Nach Sicherheitsproblemen und entdeckten Haarrissen in den Meilern Doel 3 und Tihange 2 ist möglich, dass eben diese Meiler abgeschaltet werden müssen, bzw. nicht mehr ans Netz kommen. Dies forderte in den vergangenen Tagen zu Diskussionen über steigende Strompreise, Unsicherheiten in Sachen Energiesicherheit bis hin zu befürchteten "black outs“ im kommenden Winter.

Doch mit der Ansicht, dass die Preise für Elektrizität in Belgien bei Abschaltung von Atommeilern nicht steigen dürfen, wiederspricht er Aussagen von Energiestaatssekretär Melchior Wathelet (CDH) vom vergangenen Wochenende. Wathelet kündigte an, dass "leichte Preisanstiege unvermeidbar“ seien, falls Doel 3 und/oder Tihange 2 definitiv angeschaltet werden müssen.

Belgiens Wirtschaftsminister Vande Lanotte (Foto) sagte am Montagmorgen im VRT-Frühstücksradio, er wolle nicht, dass die Strompreise für die Verbraucher danach steigen: "Es ist perfekt machbar, die Strompreise stabil zu halten und nicht ansteigen zu lassen, auch wenn Kernkraftwerke geschlossen werden. In Deutschland sind nach der Katastrophe von Fukushima mehrere Kernzentralen abgeschaltet worden und die Preise sind nicht gestiegen.“

Vande Lanotte führte am Montagmorgen weitere Argumente für seine Forderung an: "Die Strompreise sind bei uns immer sehr hoch gewesen, weil der freie Markt nicht funktionierte. In der Vergangenheit hatten wir auch keine Mechanismen, die einen korrekten Preis einforderten. Anfang des Jahres haben wir einen Preisstopp eingeführt und dieser gilt noch immer."

"Wir haben zudem vereinbart, neue Regelungen zu schaffen, um die Preise festzulegen. Diese Regelungen müssen korrekte Preise möglich machen. Wenn die Preise auf internationaler Ebene ansteigen, wird das auch in Belgien geschehen, doch wenn sie nicht in ganz Europa steigen, dann brauchen sie auch nicht in Belgien zu steigen.“

Energiebehörde warnt vor Stromknappheit

Die belgische Regulierungsbehörde für Energiefragen, CREG, warnt vor Stromknappheit, sollten die beiden Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 aus Sicherheitsgründen definitiv vom Netz genommen werden. Damit wiederspricht die Behörde Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Vande Lanotte, die dieser am Montagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion machte.

Bei einer Abschaltung von Doel 3 und Tihange 2 wegen Haarrissen in der Ummantelung würde Belgien knapp 20 % seiner eigenen Stromproduktion einbüßen und dies würde in einem kalten Winter zu Elektrizitätsknappheiten führen. Belgien müsste in einem solchen Fall Strom aus dem benachbarten Ausland einführen, sprich aus Deutschland oder Frankreich. Doch diese beiden größten Stromexporteure in Europa würden derzeit nicht mehr so viel Strom ausführen können, wie gewohnt und zudem habe vor allem Deutschland einige Reaktoren stillgelegt, wodurch dort Überkapazitäten dort ebenfalls stark rückläufig seien.

Eine weitere Befürchtung von Seiten der CREG ist, dass Strom aus Deutschland oder Frankreich auf absehbare Zeit hin teurer werden könnte - ganz einfach eine wirtschaftliche Sache von Angebot und Nachfrage, so ein Sprecher der Behörde.

Europäisches Netzwerk zur Energiesicherheit?

Johan Vande Lanotte will, dass alle Länder in Europa in Sachen Stromversorgung zusammenarbeiten: "Wir müssen ein Netzwerk schaffen, über das alle Länder miteinander verbunden sind. Derzeit gibt es in Spanien einen Überschuss, doch Spanien ist mit Frankreich nicht verbunden, sodass diese Energie verloren geht. Wenn man von einem europäischen Stromnetz eine Priorität machen würde, würde dies den Strom billiger und die Energieversorgung sicherer machen.