Bruyneel und Merckx nehmen Armstrong in Schutz

Johan Bruyneel, der ehemalige belgische Profi-Radrennfahrer und jahrelang der sportliche Leiter des US Postal Service Teams (später Discovery Channel) um Lance Armstrong, hat auf seiner Webseite bereits auf die jüngsten Nachrichten über seinen Freund Armstrong reagiert. Er sei traurig, heißt es dort. Auch die belgische Radlegende Eddy Merckx (großes Foto) versteht die Entscheidung von Armstrong (großes Foto), der den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufgegeben hat.

"Die Sache hat einen Punkt erreicht, an dem Lance genug hat und nicht länger Gegenstand der Hetze der USADA gegen ihn sein will. Es tut mir Leid für Lance und den Radsport", sagt der Belgier Johan Bruyneel (kleines Foto).

"In seinem Leben hatte sich Lance nie vor einem ehrlichen Kampf gedrückt. Seine Entscheidung, den Kampf gegen die USADA einzustellen, zeigt, wie unfair dieser Kampf ist", so Bruyneel.

Auch Johan Bruyneel wird vorgeworfen, mit verbotenen Substanzen gehandelt und deren Gebrauch angeordnet zu haben. Im Gegensatz zu Armstrong, der den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufgegeben hat, zieht Bruyneel vor das Schiedsgericht der USADA.

"Ich hoffe, dass bald deutlich wird, dass die Sache gegen mich niemals so weit hätte gehen dürfen. Da das ein sensibler Prozess ist, gebe ich keinen weiteren Kommentar mehr."

"Genug ist genug"

Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte Armstrong im Juni formal des Dopings angeklagt. Die Agentur beruft sich auf mehr als zehn Zeugen, unter denen auch Armstrongs ehemalige Helfer Tyler Hamilton und Floyd Landis sein sollen.

Am Montag war eine Klage des 40-jährigen US-Amerikaners, der die Tour von 1999 bis 2005 gewonnen hatte, gegen die USADA abgewiesen worden. Damit sind die Ermittlungen wegen Dopingmissbrauchs für rechtens erklärt worden.

Für Armstrong war damit offenbar der Punkt erreicht, den Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufzugeben: "'Genug ist genug'. (...) Ich habe mich seit 1999 mit Betrugsvorwürfen herumschlagen müssen." Das Ganze habe einen zu hohen Preis von ihm, seiner Familie und der Arbeit mit seiner Stiftung gefordert.

Armstrong droht jetzt der Verlust seiner sieben Tour-de-France-Titel und einer lebenslangen Sperre.

Auch Eddy Merckx hinter Armstrong

Eddy Merckx sagt, er verstehe die Entscheidung Armstrongs, nicht mehr gegen die USADA weiter vorgehen zu wollen. "Wenn man sich anschaut, wie lange schon diese Affäre andauert, ist das ein Skandal."

"Es ist eine bedauernswerte Affäre. Das ist schlecht für den Radsport und schlecht für alle."

Eddy Merckx findet nicht, dass die Aufgabe von Lance Armstrong wie ein Eingeständnis sei. "Er hat alle Kontrollen mitgemacht. Wurde er jemals als positiv eingestuft? Ich sehe, dass er alle seine Siege verlieren wird. Ich kenne seine Akte nicht und kann nicht mehr sagen. Ich weiß auch nicht, was der internationale Radverband machen wird", so der Belgier Merckx, der fünf Mal die Tour De France gewann.