Staatsanwalt für Freilassung von Dutroux-Ex

Die Generalanwaltschaft des Kassationshofs, des höchsten Gerichts Belgiens, sieht keinen Grund, den Entschluss zur Freilassung Michelle Martins (kleines Foto) zu kippen. Das hat der Staatsanwalt Raymond Loop am Dienstag vor dem Kassationshof gesagt.

Das Berufungsgericht in Brüssel beugt sich über das Urteil des Strafvollzugsgerichts von Mons vom 31. Juli 2012, die Exfrau und Komplizin des belgischen Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux nach 16 Jahren Haft vorzeitig unter Auflagen freizulassen.

Sowohl die Staatsanwaltschaft von Mons als auch verschiedene Opfer waren gegen das Urteil in Berufung gegangen, aber ihre Argumente werden von der Generalstaatsanwaltschaft vom Tisch gefegt.

Zunächst seien die Schritte, die die Opfer eingeleitet hätten, unzulässig. Das Gesetz sei in dieser Sache eindeutig, so der Staatsanwalt. Opfer und Zivilparteien könnten sich nicht gegen Urteile eines Srafvollzugsgerichts wenden. Sie stellten für das Strafvollzugsgericht keine Partei in dem Prozess dar.

Die Staatsanwaltschaft von Mons kann in Revision gehen, aber die Argumente, die die Staatsanwaltschaft hervorbrächte, seien in den Augen der Anwaltschaft beim Kassationshof nicht ausreichend. Der Kassationshof beugt sich nicht über den Inhalt, sondern über die Rechtmäßigkeit des Urteils des Strafvollzuggerichts. "Es sind keine Verfahrensfehler in diesem Fall gemacht worden. Das Urteil des Strafvollzugsgerichts ist absolut gesetzeskonform."

Der Anwalt weist noch daraufhin, dass sich der Kassationshof nicht über die Opportunität einer möglichen Freilassung aussprechen werde: "Was hier auch entschieden wird, die Entscheidung beinhaltet keine Missbilligung oder Zustimmung des Urteils des Strafvollzugsgerichts."

Der Kassationshof will nach eigenen Angaben am Dienstagnachmittag (16.00 Uhr) urteilen. Folgt es dem Staatsanwalt, dürfte die 52-jährige Michelle Martin bald frei kommen. Ein Nonnenkloster bei Namur will Michelle Martin aufnehmen.

Ihr Ex-Ehemann, Marc Dutroux, hatte in den 90er Jahren sechs Mädchen entführt, missbraucht und in einem Kellerverlies versteckt. Dort starben vier der Mädchen. Michelle Martin trägt Mitschuld. Sie hat die beiden Mädchen Julie und Mélissa verhungern lassen. Michelle Martin war wegen Mittäterschaft zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

In Belgien ist eine vorzeitige Haftentlassung möglich, wenn mindestens ein Drittel der Strafe verbüßt ist.

Das Medieninteresse aus dem In- und Ausland bei diesem Prozess ist enorm. Im Vorfeld wurde der Fall in den sozialen Medien diskutiert. Ein Protestmarsch durch Brüssel gegen die Freilassung hatte vor kurzem statt gefunden und die Eltern der ermordeten An Marchal waren sogar bei den Nonnen vorstellig geworden, um ihnen vor Augen zu halten, was für eine Person die Nonnen aufnehmen wollten. Sie hatten gehofft, die Nonnen noch umstimmen zu können, so dass sie Martin nicht aufnehmen.