Polemik: Politiker twittert zum Fall Martin

Jurgen Vertrepen (Foto), parteiloser Abgeordneter im flämischen Landesparlament, hat am Dienstagabend getwittert, dass man einen Auftragskiller für Michelle Martin suchen sollte. Was für den Verfasser ironisch ist, löste einen Sturm des Protestes aus.

"Nicht faseln, wenn wir zusammenlegen (public funding), dann können wir doch einen Albaner finden und bezahlen, damit der Michele Martin umlegt“, lautete der Tweet des ehemaligen LDD-Politiker Jurgen Verstrepen, der heute als Parteiloser im flämischen Landesparlament sitzt, am Dienstagabend, als bekannt wurde, dass Marc Dutroux‘ Ex-Frau Michelle Martin vorzeitig aus der Haft entlassen wird.

Schon dieser Twitter-Bericht löste einen Sturm der Entrüstung in der politischen Welt aus, doch dabei beließ es Verstrepen nicht, der hinterherschickte: "Für wenig Geld aufgeräumt, viel billiger, als ein Kloster zu bewachen.“ Und noch ein wenig später hieß es: "Eigentlich, Albaner sind zu teuer, ein drogensüchtiger Junkie macht es für weniger“, was mit einem Smiley abgeschlossen wurde.

Viele Politiker reagierten erbost auf diese Twitter-Berichte und nannten den Vorfall in einer Demokratie unannehmbar und respektlos, auch gegenüber den Opfern der Dutroux-Bande. Der Vorsitzende des flämischen Landesparlaments, Jan Peumans (N-VA - kleines Foto), hält solche Aussagen, die zudem über ein soziales Netzwerk gemacht wurden, in dem man ohnehin nicht alles grundlegend erklären könne, deontologisch unverantwortlich.

Jurgen Verstrepen selber sagte am Mittwochmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass diese Twitter-Berichte ironisch gemeint gewesen seien. Er habe lediglich einen Finger auf die Wunde gelegt und auf die Fehler im System hinweisen wollen: "Ich bin doch nicht so verrückt, um über Twitter einen Auftragsmörder suchen zu lassen. Das wäre lächerlich. Ich werde sicher nicht mit solchen für mich als Abgeordnetem schädlichen Aussagen gegen das Gesetz verstoßen.“

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Antwerpen der Polizei den Auftrag erteilt, ein Verfahren wegen strafbarer Bedrohung und dem Aufruf zu Straftaten aufzunehmen. Verstrepen wird sich in den kommenden Tagen einem Verhör in dieser Sache stellen müssen.