Letzte Gordel in heutiger Form

In den flämischen Gemeinden rund um Brüssel hat die 32. Ausgabe der Rad- und Wanderveranstaltung De Gordel begonnen. Es ist das letzte Mal, dass die Gordel in dieser Form statt findet. Die Teilnehmer können zwischen 19 Wander- und Radwegen auswählen. Am Morgen hatte es bereits einige Protesaktionen gegeben.

Die Sportveranstaltung Gordel ist immer auch eine politische Veranstaltung. Sie will den fälmischen Charakter der Gemeinden rund um Brüssel hervorheben. Jahrelang wurde auf der Veranstaltung die Forderung einer Spaltung des Wahlkreises Brüssel-Halle-Vilvoorde laut. Inzwischen ist dies jedoch erfolgt.

Nach einem Verbot der französischsprachigen Mehrheit in der Gemeinde Sint-Genesius-Rode den Start- und Ankunftsort in der Gemeinde statt finden zu lassen, wurde einer der Sammelplätze nach Alsemberg verlegt. Andere Ausgangsorte der Gordel sind Zaventem, Overijse und Dilbeek. Es ist die letzte Gordel nach dem klassischen Modell mit vier Sammelpunkten.

Die Gemeinde Linkebeek hat, wenn auch nach einigem Hin und Her, letztlich ihre Zustimmung als Durchgangsort für die Gordel gegeben.

In Zaventem sind am Morgen wie jedes Jahr mehrere Politiker abgefahren. Eric Van Rompuy hatte sein T-shirt mit "BHV jetzt spalten!" gegen ein neues Exemplar eingetauscht, auf dem zu lesen ist "BHV ist gespalten!!! Danke Gordel". Im Schlepptau Van Rompuys waren auch CD&V-Präsident Wouter Beke und  Vizepremier Steven Vanackere. Die Räder einiger CD&V-Politiker waren von Mitgliedern des Taal Aktie Komitees (TAK) zuvor festgekettet worden, aber die Polizei konnte sie schnell wieder aufmachen.

"Ich habe schon 1980 teilgenommen. Ich hätte natürlich nie gedacht, dass es 32 Jahre dauern würde bis BHV endlich  gespalten sein wird", betont Van Rompuy. "Ich finde es schade, dass einige flämische Parteien die Spaltung kritisieren. Wäre die N-VA am Verhandlungstisch geblieben, würden wir jetzt noch verhandeln." Laut Beke zeigten die Proteste der FDF-Bürgemeister in Linkebeek und Sint-Genesius-Rode vor allem "dass einigen Bürgermeistern die Spaltung immer noch schwer aufstößt."

Proteste von Französischsprachigen gab es auch in diesem Jahr

Vor acht Uhr wurden in der Gegend um Asse auf der 100 Kilometer-Radtour zwischen Dilbeek und Wemmel bereits die ersten Nägel gefunden. In Sint-Genesius Rode war ein Teil der Ausschilderung verschwunden.

Auf der Höhe des Rathauses Sint-Genesius Rode haben rund 15 Mitglieder der Sprachaktionskomitees einen Kontrollposten aufgestellt aus Protest gegen die Weigerung der französischsprachigen Mehrheit von Sint-Genesius Rode, einen Sammelpunkt hier einzurichten. Die Mitglieder der TAK verteilten Aufkleber mit der Aufschrift, "Ich war in Rode und komme zurück" und Ballons mit dem Text "Die Gordel bleibt". Der rechtsextreme Vlaams Belang veranstaltete ein "alternatives Gordelfrühstück". Die Polizei ist vor Ort, aber hält sich diskret im Hintergrund.

Ben Weyts von den flämischen Nationalisten N-VA will nächstes Jahr noch eine Gordel mit einer politischen Botschaft veranstalten: "Die Zwischenfälle beweisen, dass die jüngsten BHV-Abkommen keine Probleme lösen, sondern sogar noch verursachen, indem man den Französischsprachigen in den Gemeinden um Brüssel herum erneut Privilegien zugestanden hat. "Sie wähnen sich nun Herr und Meister."

"Die heutige Gordel könnte Grundlage weiterer Ausgaben sein"

Trotz allen Gezänks bleibt die Gordel für viele Flamen einfach eine angenehme, sportliche Aktivität am Sonntag. Auch der flämische Sportminister Philippe Muyters (N-VA) will am heutigen Sonntag vor allem den "sportlichen und familiären Aspekt" hervorheben. "Die heutige Gordel könnte Grundlage weiterer Ausgaben sein. Eine Initiative, die den flämischen Charakter um Brüssel herum betont, sei weiterhin nötig. Das sollten wir nicht einfach fallen lassen."