Brüssel entschuldigt sich für die Deportationen

Die Stadt Brüssel hat sich am Sonntag offiziell für die Beteiligung der Stadt an den Deportationen von Juden während des Zweiten Weltkriegs entschuldigt. Damit gab die Stadt zum ersten Mal offiziell zu, dass sie daran tatsächlich beteiligt war.
Brüssels Bürgermeister Freddy Thielemans

Brüssels Bürgermeister Freddy Thielemans (PS - Foto oben) sprach die Entschuldigung von Seiten der belgischen Hauptstadt anlässlich einer Gedenkfeier der "Association pour la Mémoire de la Shoah“ im Rathaus der Stadt aus.

Thielemans erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der damalige Bürgermeister von Brüssel einen Befehl der deutschen Besatzer annahm, der vorsah, eine Liste aller in der Stadt lebenden Juden zusammenzustellen. Mehr als 5.640 jüdische Mitbürger waren am Ende darauf aufgelistet.

"Ohne dieses Judenregister hätten die zunehmenden Verhaftungen und die Razzia vom September 1942 niemals denselben Effekt gehabt. Darum möchte ich heute offiziell die Entschuldigung der Stadt anbieten.“, sagte Thielemans am Sonntag in seiner Ansprache vor den Teilnehmern der Gedenkfeiern.

Doch nahm der amtierende Bürgermeister seinen Vorgänger aus den Kriegstagen auch etwas in Schutz, denn dieser hatte sich damals geweigert, die jüdischen Bürger der belgischen Hauptstadt zum Tragen des Judensterns zu verpflichten.

Das Studien- und Dokumentationszentrum für Krieg und Zeitgenössische Gesellschaft (SOMA) wird im Auftrag der Stadt Brüssel eine wissenschaftliche und historische Studie über die Deportationen von Juden in Brüssel durchführen.