Journalisten verwerfen Kritik eines Juristen

Bei der Eröffnung des neuen gerichtlichen Jahres in Antwerpen hat der dortige Generalstaatsanwalt Yves Liegèois (Foto) gefordert, dass Justizbeamte, die Informationen an die Presse weitergeben, schwerer bestraft werden sollen.

Eigentlich, so die Ansicht vieler, sprach Antwerpens Generalstaatsanwalt Yves Liègeois in eigener Sache, als er in seiner Ansprache zur Eröffnung des neuen gerichtlichen Jahres schwer gegen die Presse und gegen Juristen und Justizbeamte ausholte, die Interna an die Journalisten weitergeben würden.

Liégèois ist in der Affäre um Betrug und Steuerhinterziehung im Diamantensektor in Antwerpen kein unbeschriebenes Blatt, denn entsprechende Ermittlungen wurde von seinem Hause in die Länge gezogen und selbst behindert. Entsprechende Details waren an die Presse gelangt und die entsprechenden Quellen konnten nur im Justizapparat der Scheldemetropole sitzen.

Aus diesem Grunde forderte Generalstaatsanwalt Liègeois denn auch, Personen, die Interna aus dem Justizwesen an die Presse weitergeben, schwerer zu bestrafen, d.h. mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Bisher sind für dieses "Vergehen" nach belgischem Recht Strafen von einigen Monaten vorgesehen.

Pol Deltour (kleines Foto) von der Vereinigung der Flämischen Journalisten (VVJ) kritisiert die Forderungen des führenden Juristen und sagte dazu, dass die Vorgänge im milliardenschweren Diamantensektor in Antwerpen gesellschaftliche Relevanz hätten und es sei die Aufgabe der Presse, darüber zu berichten. Härtere Bestrafungen für Informationsquellen lehnt Deltour rundweg ab.

Er geht sogar weiter und sieht in den Aussagen des Generalstaatsanwalts sogar eine deutliche Verbindung zur Rolle, die Liègeois in diesem "Diamantenkrieg“ in Antwerpen selber spielt. Wenn die Information zu einem solchen Vorgang beendet werden müsse, so Pol Deltour, dann neige er zu der Feststellung, dass dies auch mit einer persönlichen Agenda zu tun habe.

Liègeois hatte auch die Presse selbst angegriffen und gesagt, dass die "Vierte Macht“ kein Wachhund oder Berichtgeber mehr sei und dass das Vermuten von Unschuld und das Recht auf Privatleben geschunden würden.