Weiter Tempo 120 auf Belgiens Autobahnen

Belgien will weiter an der Höchstgeschwindigkeit 120 km/h auf den Autobahnen festhalten, auch wenn in den benachbarten Niederlanden seit dem 1. September die Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn auf Tempo 130 angehoben wurde.

Das Thema Tempo 120 oder 130 km/h auf der Autobahn wird in Belgien leidenschaftlich diskutiert. Die wallonische Automobilverbande Touring fordert diese Geschwindigkeits-Anpassung schon seit Jahren, doch das das flämische Pendant VAB und das belgische Institut für Verkehrssicherheit (BIVV) sind entschieden dagegen. Und Belgiens Staatssekretär für Verkehr und Mobilität, Melchior Wathelet (CDH) sieht keinen Bedarf und führt an, er habe wichtigere Probleme zu lösen.

Das belgische Institut für Verkehrssicherheit argumentiert gegen Tempo 130 mit steigenden Unfallzahlen und mit mehr Unfalltoten auf den Autobahnen. 130 km/h auf der Autobahn würde belgienweit für bis zu 25 zusätzlichen tödlichen Verkehrsopfern sorgen, so das Institut. Zudem, wie ein weiteres Argument des BIVV lautet, seien die belgischen Autobahnen für eine höhere Richtgeschwindigkeit gar nicht geeignet. Das enge Autobahnnetz in Belgien weise zu viele Auf- und Abfahrten auf und als Transitland mitten in Europa sind unsere Autobahnen voller Lastwagen. Damit würden sehr viele eher langsame Fahrzeuge für Gefahren für die schneller fahrenden Autos sorgen, was wiederum die Unfallgefahr deutlich erhöhen würde.

Touring, den weitaus größten belgischen Autofahrerverband, ficht das alles nicht an. Hier ist man der Ansicht, dass an Tempo 130 auf der Autobahn nicht alles so falsch sein könne, denn sowohl die Niederlande, als auch Luxemburg und Frankreich lassen die Autos mit 130 km/h über die Autobahnen flitzen. Und in Deutschland gebe es Abschnittsweise gar kein Tempolimit. Faktisch allerdings gilt in Belgien schon seit langem (fast) Tempo 130 auf der Autobahn. Die belgische Verkehrspolizei blitzt erst ab 128 km/h…

Niederländische Argumente

Die niederländische Verkehrsministerin Melanie Schulz Van Haegen (PVV) nannte die Anhebung der Richtgeschwindigkeit auf den Autobahnen in ihrem Land „einen historischen Schritt nach vorne“ und argumentiert mit wirtschaftlichen Gründen. So verkürze sich die allgemeine Reisezeit auf den Autobahnen, auf denen Tempo 130 jetzt gilt, um 1 %, was jährlich für einen Gewinn von bis zu 75 Millionen € sorge. Zudem erhalte der Autofahrer so "mehr Raum“, dürfe schneller fahren und könne so mit Sicherheit, Natur und Umwelt Rechnung tragen.

Tempo 130 gilt allerdings nicht überall, sondern lediglich auf etwa der Hälfte der niederländischen Autobahnen. An anderen Stellen gelten 100 oder 120 km/h. Das sorge für einen Wildwuchs an Geschwindigkeitszonen, sagt die niederländische Mobilitätsorganisation ANWB dazu: "Autofahrer müssen ständig aufpassen, wie schnell sie sind und wo und wann man schneller fahren dürfe". Linke Oppositionsparteien im niederländischen Parament kritisieren die Anhebung der Richtgeschwindigkeit mit Umweltverschmutzung und mit Sicherheitsproblemen.