Häftling darf Euthanasie bekommen

Der Häftling Frank V.D.B., der im Gefängnis von Turnhout einsitzt, darf laut des belgischen Gefängnissystems und laut Ärztebeurteilung Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Der Mann wurde wegen zwei Morden und einer Vergewaltigung verurteilt und sitzt schon seit über 25 Jahren im Gefängnis.

Es steht allerdings noch nicht fest, ob der 48-jährige Häftling auch effektiv Sterbehilfe bekommt. Der behandelnde Arzt muss die Sterbehilfe ausführen wollen.

Das Verfahren ist jedenfalls schon eingeleitet: Drei externe Ärzte haben positive Gutachten abgegeben und das Gefängniswesen hat keine Einwände gegen die Euthanasie von Frank V.D.B. hervorgebracht.

Laurent Sempot, der Sprecher des Gefängniswesens betont, dass der Antrag nach den Vorschrifen zum Euthanasiegesetz behandelt werde. Das heißt, dass es hier um keine Straf-, sondern um eine medizinische Entscheidung gehe.

"Versteckte Form der Todesstrafe"

Der Euthanasieexperte Wim Distelmans (kleines Foto) ist einer der Ärzte, die ein Gutachten erstellt haben. Ihm zufolge seien alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt.

Das heißt, dass der Mann mit einer unheilbar psychischen Krankheit kämpfe und deshalb sehr stark leide. Außerdem müsse auch wiederholt und über einen langen Zeitraum um Euthanasie ersucht werden. "Das ist sehr heikel."

Der Vorsitzende der Euthanasie-Kommission äußert einige Bedenken. "Das unerträgliche Leid bestimmt die Person selbst, aber die Frage ist, ob das starke Leid die Folge einer unheilbaren psychischen Krankheit ist oder die Folge der Umstände, in denen sich der Häftling befindet."

Verurteilte, psychisch kranke Menschen, gehören in eine psychiatrische Einrichtung, aber wegen Platzmangels sitzen sie häufig in Gefängnissen, in denen der nötige medizinische Rahmen fehlt.

Bei Euthanasie sei hier also Vorsicht geboten. "Sonst kann das zu einer versteckten Form der Todesstrafe ausarten. Einfach gesagt, müsste man sonst Häftlinge nur lange genug mobben, bis sie alle Euthanasie beantragen", so Distelmans.

Der N-VA-Senator und Arzt Louis Ide brachte diese Geschichte an die Öffentlichkeit. Er kritisiert, dass es "keine einzige Anlaufstelle beziehungesweise Auffangstellte für Häftlinge gibt, wie das in den Niederlanden der Fall ist". Laut Ide entscheide sich Frank V.D.B. für Euthanasie, weil es an einer solchen Behandlung und Begleitung fehle.

Schon einmal Euthanasie an Häftling ausgeführt

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Häftling Sterbehilfe bekommt. Vor einigen Monaten bekam ein unheilbar Kranker im Gefängnis von Brügge Sterbehilfe. Das ist erst jetzt bekannt geworden. 

Der Mann hat auch tatsächlich Sterbehilfe bekommen. Das bestätigt Doktor Francis Van Mol, der Direktor für das Gesundheitswesen in Gefängnissen.