ArcelorMittal zieht Investitionsplan für Lüttich zurück

Als Folge der gescheiterten Verhandlungen mit den Gewerkschaften hat die Direktion von ArcelorMittal in Lüttich beschlossen, den Investitionsplan für neue Kaltwalzwerke in Lüttich zurückzuziehen. Das hat der Stahlriese am Montag bekannt gegeben. Die Gewerkschaften reagieren sauer.

Trotz aller Anstrengungen, die bis Sonntagabend unternommen worden seien, sei keine gemeinsame Lösung für den Abschluss der so genannten Renault-Prozedur, die bei Massenentlassungen zum Einsatz kommt, vor Ende Oktober gefunden worden, heißt es in einer internen Mitteilung der Direktion.

Als Folge und wie bereits angekündigt, sei der durch ArcelorMittal vorgelegte Industrieplan, der mit einem Investitionsplan  von 138 Millionen Euro einher gehe, am Montagmorgen  wieder eingezogen worden, hieß es weiter. "Auch werden keine Bestellungen mehr für Blechprodukte angenomen."

Die Direktion bedauert den Entschluss und versichert, "all ihre Energie" in einen Versuch gesteckt zu haben, zu einer Lösung für die verbleibenden Aktivitäten in Lüttich zu kommen, an denen über 2.000 Arbeitsplätze hängen.

Erpressung

Die Gewerkschaften sind empört und sprechen von Erpressung. "Diese Bedrohung ist eine Schande und inakzeptabel", wettert David Camerini von der christlichen Gewerkschaft bei ArcelorMittal. "Wir führen seit Donnerstag informelle Gespräche mit der Direktion. Sie hat uns gebeten, einem Dokument zuzustimmen, das ihr das Hauptquartier in Luxemburg auferlegt hat, um mit den Verhandlungen starten zu können. Man bittet uns, eine Lösung zu finden, bevor verhandelt worden ist. Das hat es noch nicht gegeben, wahrscheinlich weil der Einsatz enorm ist."

"Es handelt sich um einen einseitigen und sehr brutalen Entschluss einer arroganten und inkompetenten Direktion, die sich von Mittal alles gefallen lässt", heißt es bei der sozialistischen Gewerkschaft. "Das Hauptverhandlungsproblem war das Datum des Verhandlungsschlusses über den Sozialplan und der Industrieteil." Die Gewerkschaft wirft ArcelorMittal vor, langfristig schon die Stilllegung der gesamten Stahlproduktion, sowohl der Warm- als auch der Kaltwalzwerke im Lütticher Stahlbecken eingplant zu haben.

Der wallonische Wirtschaftsminister Jean-Claude Marcourt bedauert die Haltung der Direktion von ArcelorMittal und fordert das Stahlunternehmen auf, seine langfristige Strategie preis zu geben. In einer Pressemitteilung sagte Marcourt, es sei eine schlechte Strategie, die verbleibenden Arcelor-Mitarbeiter als Geisel zu nehmen, um die Verhandlungen zu einem Abschluss zu bringen.

Die wallonische Regierung will die Situation noch in dieser Woche auf dem Ministerrat besprechen.