"Mühsame Wege abkürzen"

Entschlossenen Schrittes taucht Renate Kohl-Wachter, eine deutsche Journalistin, Mitte 50, bei der Vrt, unserem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auf und verteilt das neue Heft von BELGIENINFO.net. Auf der Titelseite ist eine große Tüte Fritten abgebildet, typisch für Belgien. Das neue Heft will aber keine Klischees abarbeiten, wie sich auf den ersten Blick vermuten lässt, sondern ist vor allem eine praktische Hilfe für Neuankömmlinge in Belgien. Es erscheint deshalb auch nur einmal im Jahr, zum Schulanfang.

Neuankömmlinge in Belgien haben besonders viel Erklärungsbedarf, erklärt die Chefredakteurin des Magazins, Renate (kleines Foto). Dass sie hier eigens vorbei schaut, liegt auch daran, dass das Heft weder an Zeitungsständen zu haben ist, noch zu Werbezwecken verschickt wird, denn das wäre zu teuer. Das Heft kostet zwar 2,50 Euro, das Ziel sei aber nicht die Gewinnerzielung, sondern es solle sich lediglich tragen, so die Chefredakteurin.

Das seit 2009 aus einer Internetinitiative heraus gegründete Heft, hat inzwischen eine Auflage von 6.000 und wird in Aachen gedruckt. Herausgeber ist die Vereinigung Belgieninfo.net Asbl/vzw. Ein 8-seitiger Serviceteil soll Wegweiser sein und die ersten Schritte für Belgieneinsteiger erleichtern. Webadressen werden mitgegeben, so dass jeder selbst im Internet weitersuchen kann.

„Leute, die nicht wissen, wo sie ihr Auto ummelden müssen oder dass man in Belgien Bargeld zum Arzt mitnehmen muss und dass die Frauen auf Ämtern stets ihren Mädchennamen angeben müssen, sind froh über solche Informationen, die sie in dem Magazin finden.“ Erklärt wird aber auch das Indexierungssystem in Belgien, „denn die Leute sind immer wieder erstaunt, wie teuer alles hier ist“ oder das Erbschaftsrecht, „denn viele hängen als Entsandte immer noch am deutschen System.“ „Man kann Ihnen nur sagen, Leute kümmert Euch darum, bevor Ihr überrascht werdet“, so die Chefredakteurin noch.

„Das Heft behandelt zudem Themen, die nicht schon überall abgenudelt worden sind wie die Königliche Wandteppichmanufaktur De Wit in Mechelen oder die Rettungsaktion für das Konservatorium in Brüssel, das in so schlechtem Zustand ist, dass bereits die Decke herunterkam und beinahe einen Musiker erschlagen hätte“, erklärt Kohl-Wachter energisch. Nicht nur Brüssel, sondern ganz Belgien wird beleuchtet, die Zielgruppe sitzt schließlich überall hierzulande. Besonders viele Deutsche hätten sich allerdings in Brüssel wegen all der internationalen Einrichtungen niedergelassen, die deutschen Geschäftsleute würde man hingegen vor allem in Antwerpen finden.

Die Mitarbeiter des Belgieninfo.net schreiben übrigens allesamt ehrenamtlich ihre Artikel. Letztes Jahr war das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit, dieses Jahr haben wir das Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen. „Genau so etwas machen wir“, betont Renate, engagiert. Die Arbeit mache Spaß. „Viele von uns haben über Europa geschrieben, jetzt wollen sie Lokales schreiben, weil man ein unmittelbares Feedback bekommt und die Geschichten mehr Leben haben. Außerdem kann man den anderen den Weg, den man selber mühsam gegangen ist, abkürzen. Sobald die Sprachbarrieren abgebaut sind, brauchen uns die Neuankömmlinge nicht mehr, dann sind sie einfach nur noch für ein paar gute Tipps dankbar."

Das Magazin liegt unter anderem in den verschiedenen Botschaften und in den deutschen Länderbüros aus sowie im Goetheinstitut und in der Vertretung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Brüssel.