Bahnstreik in Belgien am 3. Oktober

Die belgischen Eisenbahner-Gewerkschaften haben für Mittwoch, den 3. Oktober, einen Generalstreik ausgerufen. Von Dienstagabend ab 22 Uhr an bis zur gleichen Uhrzeit am Mittwoch werden wohl kaum Züge fahren.

Am Donnerstag waren Gespräche der Gewerkschaften mit dem Kabinett von Paul Magnette (PS), Bundesminister für die Unternehmen der öffentlichen Hand, gescheitert. Inhalt der Gespräche: Die Gewerkschaften fordern, dass die belgische Bahn wieder ihre alte Einheitsstruktur zurückerhält. Das impliziert, dass die Gewerkschaften, bzw. das Bahnpersonal, ebenfalls ihr altes Einheitsstatut behalten können.

Derzeit besteht die belgische Bahn aus drei Geschäftsbereichen: Die Gesellschaft NMBS/SNCB, die sich um den Personenverkehr kümmert; Bahnnetz- und Infrastrukturverwalter Infrabel und die Holding, die die Struktur überkuppelt. Minister Magnette will seine Bahn reformieren und die Holding abschaffen. Doch, wie gesagt, die Gewerkschaften fordern eine Bahngesellschaft, die wie früher, nur aus einer Gesellschaft besteht.

Doch davon will in Belgien, und nicht auch zuletzt bei der EU-Kommission, niemand mehr etwas wissen. Gesetzlich ist ein solcher Rückschritt auch nicht mehr möglich. Doch die Eisenbahner beharren auf ihrem Standpunkt und lehnen rundweg jede andere Möglichkeit ab und dies schon seit Monaten. Sie argumentieren u.a. damit, dass eine Bahn aus mehreren Geschäftsbereichen schlecht für die Kunden sei. Doch den Kunden, sprich den Bahnpendlern, ist egal, wer die Züge fahren lässt, Hauptsache, sie kommen pünktlich an.

So kritisiert der belgische Verbraucherschutzverband Test Aankoop/Test Achats den neuerlichen Streik ebenso vehement, wie auch der Verband der Nutzer öffentlicher Nahverkehrsmittel ZugTramBus diese Arbeitsniederlegung. Zudem regen sich die Arbeitnehmerverbände in Bund und Ländern darüber auf, denn diese befürchten einen wirtschaftlichen Schaden durch nicht geleistete Transporte, fehlendes Personal am Arbeitsplatz und Staus, denn Straßen und Autobahnen werden bei Bahnstreiks noch vollgestopfter sein, als an "normalen“ Tagen.

Auch von politischer Seite her wird der Streik bedauert. Aus Regierungskreisen verlautete, man bedauere, dass einmal mehr Fahrgäste und Wirtschaft unter einem Bahnstreik leiden müssen. Bahnaufsichtsminister Magnette bemerkt zudem, dass die Diskussionen und Planungen zur Bahnreform noch gar nicht abgeschlossen seien, doch es werde präventiv gestreikt. Ein führender Gewerkschaftler meinte dazu lapidar gegenüber einer Tageszeitung, dass sich "jeder gegen den falschen Feind richte.“

Reisende sollten sich informieren

Von der Arbeitsniederlegung sind auch die internationalen Bahnverbindungen mit den Schnellzügen Thalys (über Lüttich und Brüssel nach Paris) und ICE (von Frankfurt über Köln nach Brüssel) betroffen. Hier kann es zu Verspätungen oder zu Zugausfällen kommen. Manchmal werden vom Hauptbahnhof Aachen aus Ersatzbusse eingesetzt, doch Betroffene sollten sich vorher informieren oder ihre Reise verschieben.

Reisende, die von Brüssel aus mit dem Eurostar nach London fahren wollten, sollten sich ebenfalls vor Antritt ihrer Reise informieren. Belgische Anschlusszüge in Richtung Brüssel Süd/Midi werden wohl nicht fahren.

Tagesausflügler aus dem grenznahmen Nordrhein-Westfahlen, die am Tag der Deutschen Einheit eine Fahrt in Richtung Brüssel, Brügge, Antwerpen oder belgische Nordseeküste geplant hatten und die von Eupen oder Welkenraedt (unweit von Aachen) einen Zug der belgischen Bahn nehmen wollten, sollten sich nach einem anderen Reiseziel umsehen.