Politbarometer: N-VA bricht überall durch

Eine Umfrage im Vorfeld der Kommunalwahlen in Belgien, die unser Haus, die VRT, gemeinsam mit der Tageszeitung Het Laatste Nieuws durchführte, ergibt, dass die flämischen Nationaldemokraten N-VA im Rennen um die Rathäuser den Durchbruch schaffen.

Die VRT, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern und die im Land auflagenstärkste Tageszeitung Het Laatste Nieuws haben in den Zentrumsstädten Aalst, Genk, Ostende, Kortrijk und Mechelen die Sonntagsfrage zu den Kommunalwahlen gestellt. Dabei wurde deutlich, dass die flämischen Nationaldemokraten überall auf lokaler Ebene den Durchbruch schaffen.

Wahlverlierer sind bei den Kommunalwahlen am 14. Oktober wohl der rechtsradikale Vlaams Belang, der zugunsten der N-VA enorm viele Stimmen verliert, und auch die flämischen Christdemokraten CD&V. Interessant ist aber auch, dass die Bürgermeister in den bewerteten Städten von ihrem Amtsbonus profitieren können und eher recht gute Einzelergebnisse erzielen.

Nur in Aalst (Provinz Ostflandern) verliert die Mehrheit Federn, denn die Einwohner geben der Koalition weniger als 50 % an Zufriedenheitsquote. Die N-VA wird dort voraussichtlich die stärkste Partei vor den Liberalen der Open VLD, die ebenfalls Stimmen hinzugewinnt und der sozialistischen SP.A, die leichte Verluste hinnehmen muss. Die CD&V muss 7 % an Stimmen preisgeben und Vlaams Belang sogar 10 %.

In Mechelen (Provinz Antwerpen) darf der liberale Bürgermeister Bart Somers (Open VLD) wohl im Amt bleiben, doch seine Partei liefert sich ein Kopf-an-Kopfrennen mit der N-VA. Die Nationaldemokraten nehmen der CD&V und dem Vlaams Belang jeweils die Hälfte der Stimmen ab.

In Kortrijk (Provinz Westflandern) wird es Bundesminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) wohl nicht schaffen, dem dort zwar polarisierenden aber weitgehend populären Christdemokraten Stefaan De Clerck (CD&V) das Amt des Bürgermeisters streitig zu machen, auch wenn er einiges an Stimmen einfahren kann und trotz der Tatsache, dass die CD&V Prozente an die N-VA abgeben muss. In Kortrijk holt die N-VA aus dem Stand 15 % und halbiert durch abwandernde Wähler die Kraft des Vlaams Belang.

In der ehemaligen limburgischen Zechenstadt Genk verlieren die Christdemokraten der CD&V 12 % ihrer Stimmen und sind damit ihre absolute Mehrheit im Rathaus los. Auch hier verliert Vlaams Belang die Hälfte des Stimmenpotentials. Auffallend ist, dass in Genk die kommunistische Arbeiterpartei PVDA mit 8,6 % sehr stark aus dem Wahlgang herauskommen kann.

In der Kurstadt Ostende an der belgischen Küste, wo Het Laatste Nieuws exklusiv und ohne die VRT die Sonntagsfrage stellte, verliert die SP.A von Bundesminister Johan Vande Lanotte wohl ebenfalls ihre absolute Mehrheit. Hier holt die N-VA voraussichtlich 18 % Stimmenanteil, Prozente, die sie allen traditionellen Parteien abluchst. Vlaams Belang und CD&V verlieren wiederum gut die Hälfte ihrer Stimmen.

Die flämischen Grünen von Groen gewinnen in Ostende wohl 4 % an Stimmen hinzu und schneiden hier vergleichsweise sehr gut ab. Ihnen wird derzeit in Ostende netto das größte Gewinnpotential vor der N-VA nachgesagt, die sonst überall am chancenreichsten sein wird.