In Wallonien stehen Spitzenpolitiker zur Wahl

Während in den anderen Landesteilen in Belgien Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern als Listendrücker versuchen, ihre Partei auf lokaler Ebene zu unterstützen, kandidieren in der Wallonie nicht wenige führende Kräfte um das Amt des Bürgermeisters ihrer Heimatgemeinde oder -stadt.

Faktisch ist der Sozialist Elio Di Rupo (PS - kleines Foto) Bürgermeister der Stadt Mons in der Provinz Hennegau und bei den kommenden Kommunalwahlen stellt er sich zur Wiederwahl.

Doch als Premierminister und auch schon in den Jahren davor ließ er sich stets von einem stellvertretenden Bürgermeister vertreten. Das hat er auch jetzt vor, denn jeder weiß: Auch wenn er gewählt wird, bleibt er Regierungschef in Brüssel und wird sein Amt faktisch nicht wahrnehmen. Di Rupo ist nach eigenen Angaben der erste Premier in Belgien, der als Spitzenkandidat in seiner Stadt antritt.

Doch Premier Di Rupo ist nicht der einzige führende wallonische Spitzenpolitiker aus Bund oder Land, der am Sonntag als Bürgermeisterkandidat zur Wahl steht. Der Ministerpräsident der Wallonischen Region, der frankophone Sozialist Rudy Demotte (PS) kandidiert in seiner Heimatstadt Tournai, ebenfalls in Hennegau und der Vorsitzende der frankophonen Liberalen MR, Charles Michel, ist Bürgermeister in Wavre, Wallonisch-Brabant und will dies auch bleiben.

Etwas anders geht da Belgiens Bundesminister für die öffentlichen Unternehmen, der PS-Politiker Paul Magnette (kleines Foto), an die Sache heran. Er strebt das Amt des Bürgermeisters der durch Korruptionsskandale und hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten Stadt Charleroi an. Magnette kündigte an, im Falle seiner Wahl zum Bürgermeister würde er sein föderales Ministeramt in Brüssel aufgeben, um sich ganz den Geschicken seiner Stadt widmen zu können.

Das Phänomen, dass sich führende Spitzenpolitiker, die in Bund, Land oder Region oder auch auf Ebene ihrer Partei bereits ein hohes Amt bekleiden, bei den Kommunalwahlen als Bürgermeisterkandidat zur Wahl stellen, wird in der Wallonie offenbar kaum in Frage gestellt - weder von Seiten der Politik, noch vom Wähler. Andernorts mag es verwunderlich sein, dass Politiker gewählt werden, die von vorne herein deutlich machen, ihr Amt nicht anzutreten. In Wallonien ticken in dieser Hinsicht die Uhren anders.

Schwerpunkte

In den größeren Städten in der Wallonie dreht sich der Wahlkampf zumeist um die Vorherrschaft der beiden größten Parteien im Land: Die sozialistische PS und die liberale MR. Auf ländlicher Ebene hingegen sind auch die Grünen von Ecolo sehr stark und stellen einige Bürgermeister und auf kommunaler Ebene spielt auch die christliche Zentrumspartei CDH eine wichtige Rolle.

Diese beiden Parteien stehen in den Großstädten dann wieder gerne als Mehrheitsbeschaffer zur Verfügung. Nicht selten aber schaffen diese beiden Parteien aber auch, eine eigene Mehrheit zu stellen.

In fast allen Städten und Gemeinden in der Wallonie liegen die Schwerpunkte des Wahlkampfs bei Themen, wie Sicherheit, Raumordnung und Städteplanung oder öffentlicher Nahverkehr und individueller Automobilverkehr.