"Das ist ein schwarz-gelber Sonntag"

"Die N-VA wird die neue Volkspartei von Flandern", sagte Bart De Wever von den flämischen Nationalisten N-VA in seiner Siegesrede in der Stadt Antwerpen. Seine Partei holte dort 36,4 Prozent, das sind 6,9 Prozent mehr als die Stadtliste SP.A-CD&V vom bisherigen Bürgermeister Patrick Janssens.

"Antwerpen gehört jedem, aber heute gehört die Stadt uns", sagte er am Sonntagabend unter tobendem Beifall seiner Anhänger und dankte dem bisherigen Bürgermeister Patrick Janssens (SP.A) für seine Arbeit als Bürgermeister der Scheldestadt. Er dankte auch seinen Wählern und fügte noch hinzu: "Wir sind zusammen einen langen Weg gegangen. Die Zeit der roten Bürgermeister ist vorbei."

Er betonte auch, dass die Stadt Antwerpen nun nicht mehr die rechte Ecke der europäischen Städte sei. Auch diese Zeit sei vorbei.

Antwerpen habe sich für Veränderung entschieden. Die Kampagne sei vorbei, jetzt beginne die Suche nach Koalitionspartnern. Er mache jedoch keine Äußerungen hierzu, jedenfalls nicht heute Abend. Das seien Sorgen von morgen.

Ein Großteil seiner Rede richtete De Wever jedoch an die belgische Politik. "Das ist eine Wende in der Geschichte. Wir haben nicht nur unser super Ergebnis von 2010 erzielt, sondern auch noch übertroffen. Das hätte niemand erwartet. Die N-VA ist nicht länger ein Riese auf Zwergenfüßchen. Es liegt nun an uns, die Grundlinien in Flandern zu gestalten und zu verteidigen, von der Dorfstraße bis hin zur Wetstraat (wo die belgische Regierung sitzt, Red.!)."

"Premier Elio Di Rupo und die französischsprachigen Parteien: Ihre Regierung der Steuern ohne Mehrheit in Flandern findet keine Unterstützung bei den Flamen. Übernehmen Sie Verantwortung und bereiten Sie mit uns zusammen die konföderale Reform vor. Lassen Sie uns zusammenarbeiten an einer Politik, die den Flamen und den Französischsprachigen die Politik liefert, auf die sie ein Recht haben."

Nach seiner Rede begab sich De Wever zu Fuss zum Rathaus, um die Scherpe zu beantragen, also das Bürgermeisteramt einzufordern. Und danach wollte er mit seinen Anhängern in Antwerpen seinen Sieg und den Sieg der N-VA in Antwerpen und in vielen anderen Städten und Gemeinden feiern.

Patrick Janssens: "Da war jemand besser"

Patrick Janssens, der Bürgermeisterkandidat der Stadtliste SP.A -CD&V in Antwerpen, hat auf einer Pressekonferenz seine Niederlage unverhüllt eingestanden und Herausforderer Bart De Wever zum Sieg der N-VA gratuliert.

"Was schief gegangen ist? Da war jemand besser", so Janssens zunächst noch sachlich, der seine Tränen am späteren Abend aber nicht mehr unterdrücken konnte.

"Das ist kein schöner Tag für uns", begann Janssens. "Obwohl uns 1 von 3 Antwerpenern wählte, haben wir verloren. Wir haben gewusst, dass es schwierig werden würde, aber das ist ein Schlag. Wir haben mit der Mehrheit einen guten Kurs gefahren in der Stadt, wir haben eine gute Kampagne geführt, aber ja, man kann nicht leugnen, dass ein anderer besser war."

"Der andere", das ist die N-VA. Auch die PVDA+ wird gelobt: "Die Überraschung dieser Wahlen von links."

Janssens betonte, dass die Initiative nun bei Bart De Wever liege. Er trage nun große Verantwortung. "Ich hoffe, dass er dabei das Interesse der Stadt stets vor Augen hat."

An der Niederlage der Stadtliste hat der bisherige Bürgermeister schwer zu knapbbern, aber Janssens wollte sich nicht zu seinen Zukunftsplänen äußern: "Wir werden dies erst einmal verdauen müssen." Zuvor hatte er gesagt, dass er kein Stadtbeirat in einer Koalition sein wolle, die von De Wever angeführt werde.