IWF-Chefin kritisiert Belgiens Lohnindex

Der belgische Arbeitsmarkt müsse dringend reformiert werden und die Indexbindung an Löhne und Gehälter in unserem Land sei überholt. Dieser Ansicht ist die Leiterin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Französin Christine Lagarde (Foto).

In einem Gespräch mit der flämischen Tageszeitung De Standaard machte IWF-Chefin Christine Lagarde folgende Bemerkung: "Wenn ich mir über eine Sache Sorgen mache, dann ist das eure Arbeitsmarktpolitik. Hier sind Reformen nötig.“ Den belgischen Lohnindex nennt sie zudem 'überholt‘.

Lagarde rät dringend dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um den belgischen Arbeitsmarkt flexibler zu gestalten und auch für Konkurrenten aus dem Ausland zu öffnen. Um die Wettbewerbsfähigkeit Belgiens zu verstärken, ist für die IWF-Chefin entscheidend, das System des Lohnindexes zu überdenken. Doch eine entsprechende Reform müsse gemeinsam mit den Sozialpartnern besprochen werden.

Das Thema Index beschäftigt derzeit das Kernkabinett der belgischen Bundesregierung im Rahmen der aktuellen Haushaltsberatungen, denn es liegt der Vorschlag auf dem Tisch, den kommenden Indexsprung (Dezember und Januar) zu überspringen, was den Staatshaushalt einmalig Geld sparen lassen könnte.

Doch innerhalb der Koalition Di Rupo I. gehen die Meinungen dazu weit auseinander. Vor allem die sozialistischen Minister beider Landesteile (PS in Wallonien und SP.A in Flandern) wollen dabei nicht mitmachen. Auch von Seiten der Gewerkschaften und der Sozialverbände hagelt es Kritik, denn eine Abschaffung, oder auch nur ein einmaliger Indexsprung fördere derzeit nur die Armut, verringere die Kaufkraft der Verbraucher und sorge für  weitere soziale Probleme bei den Arbeitnehmern, heißt es hier.