Fliehen niederländischsprachige Juristen aus Brüssel?

Viele niederländischsprachige Juristen in Brüssel fürchten die Folgen der Reform des Gerichtsbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde und versuchen, schnell noch woanders eine Stelle zu ergattern. Beim niederländisch-sprachigen Gericht in Brüssel findet derzeit eine massive Abwanderung statt, schreiben verschiedene Zeitungen in Flandern. Die belgische Justiz hat dies inzwischen dementiert.

Eine der Folgen der Reform ist, dass die Staatsanwaltschaft in die flämischen Randgemeinden um Brüssel herum verlegt wird, aber dass das Gericht in der Hauptstadt Brüssel bleibt. Die Juristen befürchten, dass dies die Zusammenarbeit noch weiter erschweren werde. "Die Hin- und Herfahrerei zwischen den beiden wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen", heißt es.

Der genaue Standort der Staatsanwaltschaft Halle-Vilvoorde ist noch nicht bekannt. "Wir wissen jedenfalls schon, dass die Arbeitsbedingungen dort ganz anders sein werden als in Brüssel", sagt Gaby Van Den Bossche, die Vorsitzende des Arbeitsgerichts.

Die Staatsanwaltschaft wird zwar nach Halle-Vilvoorde verlegt, aber die Gerichte bleiben in Brüssel, ebenso die Untersuchungsrichter und die Jugendrichter. Es werden also viele Hin- und Herfahrten der Staatsanwälte und Gerichtsbeamte sowie Transporte der Akten nötig werden." Die niederländischsprachigen Juristen weisen dabei auch auf das Problem hin, einen Verdächtigen innerhalb von 24 Stunden vor den Untersuchungsrichter bringen zu müssen.

Bei der Richterschaft werden die Unterhändler, die die Reform des Gerichtsbezirks forcierten, scharf kritisiert. "Wer das durchgedrückt hat, hat keine Ahnung davon, wie wir arbeiten", heißt es. Viele Juristen befürchten eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Falls nicht genügend Freiwillige für die neue Staatsanwaltschaft in Halle Vilvoorde gefunden werden, werden vor allem junge Juristen dazu verpflichtet, dort zu arbeiten.

Justiz dementiert Anstieg der Zahl der Anträge auf Versetzung

Unterdessen hat die belgische Justiz jegliche Erhöhung der Nachfrage von Juristen, um Brüssel zu verlassen, dementiert. Dies sei von der flämischen Presse aus Angst vor den Konsequenzen der Reform des Gerichtsbezirks Brüssel-Halle-Vilvoorde heraufgespielt worden.

"Auf der Grundlage der Statistik, über die wir heute verfügen, ist die Zahl der Anträge auf Versetzung nicht viel höher als üblich", so ein Sprecher der Justiz.